Deutsch-Polnische Gesellschaft Bremen e. V.
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Rundbrief 4/99
![]() Die Studentengruppe um Prof. Dr. Haase reichte 25 Entwürfe ein. Alle hatten sich ideen- und geistreich mit Inhalten der deutsch-polnischen Beziehungen und der politischen Bedeutung in Europa auseinandergesetzt. Den ersten Preis erhielt Terhide Aydogan zugesprochen, den zweiten Preis bekam Patrick Wojciechowski, und der dritte Preis ging an Stevie Schulze. Es war Zufall, daß die Preisträger Türkin, Pole und Deutscher waren! Deutsche und Polen - Aussöhnung durch Erinnern? Ende August dieses Jahres hatten Reinhold und Sigrid Stiering Gelegenheit, an einer Konferenz in Posen teilzunehmen. Thema der Veranstaltung war "Polen und Deutsche - 60 Jahre seit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Geschichte und Zukunft". Sigrid Stiering berichtet von dieser Konferenz und von ihren Eindrücken. Eingeladen waren etwa 160 Personen aus Deutschland und Polen, die sich beruflich oder ehrenamtlich mit dem deutsch-polnischen Verhältnis befassen. Referenten waren namhafte Persönlichkeiten aus beiden Ländern, Hochschullehrer, Historiker, Politiker und Kirchenmänner. Für uns, die wir die Polen von unseren vielen Besuchen ihres Landes als gastfreundliche, liebenswürdige und sehr zugewandte Menschen kennengelernt haben, die mit uns als Deutschen keine Probleme zu haben scheinen, war diese Konferenz ein aufrüttelndes, nachdenklich machendes Erlebnis. Die zentrale Frage war die der Bewältigung der Vergangenheit, der Mitschuld der heutigen Generation, der Dialog der Völker, sollen wir vergessen, sollen wir uns erinnern . . . Aus den vielen Vorträgen und Diskussionsbeiträgen, die von jedem durch Simultanübersetzung über Kopfhörer verstanden wurden, versuche ich, das Wichtigste zusammenzufassen. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Deutschen zunächst unfähig, zu reflektieren. Viele hatten ihre Heimat verloren, alles war zerstört, man hatte Schweres durchgemacht, viele Tote waren zu betrauern. Erst allmählich, in den sechziger Jahren, begann ein Nachdenken, eine Auseinandersetzung mit dem Krieg, mit der Frage, wie es weitergehen soll. 1964/65 debattierte der Bundestag die Frage der Verjährung von NS-Verbrechen. Die Ost-West-Gespräche vertieften sich. Für die Polen hatten die Deutschen nach dem Krieg angesichts der erlittenen Leiden und Grausamkeiten nichts Menschliches mehr an sich. Viele waren der Meinung, daß die Deutschen schon immer so waren. Das Bewußtsein der Polen glich dem einer Waisen - wir haben alles verloren. Die Teilungen des Landes in den vergangenen 200 Jahren, in denen andere die Verantwortung für die Menschen übernommen hatten, führten zu einem übersteigerten Nationalbewußtsein, einer Heroisierung der eigenen Geschichte. Die Abneigung gegen die Deutschen wurde im Laufe der Jahre dadurch genährt, daß Deutschland sich wirtschaftlich schnell erholte, während es den Polen, obgleich sie zu den Siegern zählten, weiterhin schlecht ging, Die Kommunisten haben diese Abneigung noch geschürt. Die Russen bestimmten das Verhalten der Polen zu ihrem Nachbarn. Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, daß die Annäherung von Polen und Deutschland so mühsam war. Der Kniefall von Willy Brandt in Warschau und die Ratifizierung der Ost-West-Verträge brachten die Menschen einander näher. Jetzt, 60 Jahre nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, sahen alle Referenten die Zukunft positiv. Versöhnung ist möglich, aber nur, wenn wir uns erinnern. Wir müssen uns eine Erinnerungskultur schaffen durch Symbole und den ständigen Dialog. Nicht vergessen, sondern gedenken! Symbole sind zum Beispiel Denkmäler wie Auschwitz, eine der Stätten der größten Katastrophen dieses Jahrhunderts. Die Nachkriegsgenerationen haben Schuld und Leid nicht geerbt, aber die Erinnerung, durch die eine Versöhnung erst möglich ist. Die Erinnerung hat dann einen Wert, wenn wir uns gemeinsam der Zukunft zuwenden. Das 21. Jahrhundert, die für beide Länder geltende europäische Wertegemeinschaft, die Sicherheit der Bündnisse, wird das Vertrauen und die Zusammenarbeit zwischen den Polen und Deutschen fördern! Politik allein reicht nicht. Wertvoller und wirkungsvoller ist die Arbeit im Kleinen, der Austausch der Jugend, der Besuch der unterschiedlichsten Gruppen in unseren Ländern, auch die Arbeit der Deutsch-Polnischen Gesellschaften. Dieser positive Ausblick und die Zuversicht aller Referenten, daß Versöhnung möglich ist, läßt mich aber nicht die polnischen Diskussionsteilnehmer vergessen, die den Krieg und die von den Deutschen verübten Gräuel bewußt miterlebten. Ihre Beiträge und Schilderungen ließen eindrucksvoll die Verbitterung und Hoffnungslosigkeit erkennen, die ein großer Teil der polnischen Zeitzeugen immer noch in sich trägt. Nicht vergessen werde ich auch den Apotheker aus Posen, etwa 60 Jahre alt, dessen Vater als polnischer Soldat als einer der ersten im Kampf gegen den deutschen Überfall sein Leben lassen mußte. Diese Zusammenkunft von Deutschen und Polen unter der polnischen, der deutschen und der europäischen Fahne mit dem Wunsch und dem gemeinsamen Ziel einer Auf-arbeitung der Vergangenheit bewegten ihn so sehr, daß er weinte. Die Konferenz endete für die deutschen Teilnehmer mit einer beeindruckenden Exkursion nach Gnesen/Gniezno, wo sie von Erzbischof Henryk Muszynski empfangen wurden. Gründung der Pomorskie Towarzystwo Polska - Niemcy Die erste Mitgliederversammlung der Pommerschen Gesellschaft Polen - Deutschland wählte am 18. November in Danzig folgenden Vorstand: Präsident Henryk Wozniak, Vize-präsident Alojzy Tomaszewski, Sekretärin Malgorzata Gumos, Schatzmeister Maciej Dobrzyniecki, Beisitzer Andrzej Wyrzykowski und Ludwik Kiedrowski. In das Ehrenkomitee wurden der Sejmmarschall der Republik Polen, Maciej Plazynski, Senator Wladyslaw Bartoszewski und Janusz Reiter berufen. Die Gesellschaft zählt 103 Mitglieder. Die erste "Abteilung" war seinerzeit in Elbing mit 16 Mitgliedern gegründet worden. Darüber hinaus sind weitere Sektionen in der Woiwodschaft in der Gründungsphase. Der Vorstand hat der neuen Gesellschaft alles Gute zum Neubeginn gewünscht und hofft nun, in Danzig einen verläßlichen Partner für die gemeinsame Arbeit gefunden zu haben. Wer tauscht Briefmarken? Herr Otto H. Wiemeyer sucht einen Partner in Polen, der mit ihm Briefmarken tauscht, deutsche und polnische, postfrisch und gebraucht. Er selbst spricht zwar nur deutsch, würde sich aber über Zuschriften sehr freuen. Seine Anschrift: Neuenlander Straße 12, 28119 Bremen. Radio Bremen: "Auf schwarzen und weißen Tasten" Im zweiten Konzertabend der Radio Bremen Konzertreihe am Mittwoch, dem 12. Januar, geben die polnischen Schwestern Anna und Ines Walachowski ihr Bremer Debüt. Die beiden Duopartnerinnen zählen heute zu den vielversprechendsten Duos auf schwarzen und weißen Tasten. Das Konzert beginnt um 20 Uhr im Sendesaal von Radio Bremen. Karten an der Abendkasse oder als telefonische Vorbestellung unter (0421) 246-1475 oder 1472. Neuer Konsul Roland Fournes ist neuer deutscher Generalkonsul in Danzig. Er ist Nachfolger von Frau Bode. Wir wünschen ihm für sein Amt alles Gute für die Zukunft und hoffen auf eine gedeihliche Zusammenarbeit. Vorstand und Beirat der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Bremen wünschen Ihnen und Ihren Angehörigen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahrtausend! Für den Vorstand Rainer Nalazek Reinhold Stiering |
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