Janusz-Korczak-Haus Deutsch-Polnische Gesellschaft Bremen e. V.

Janusz-Korczak-Haus - Osterdeich 6 - 28203 Bremen

 
Start
Die DPG Bremen
Termine
Rundbriefe
Städtepartnerschaft
Kontakte
>>Archiv
Links
Download
Gästebuch
Impressum

Das Archiv - Rundbriefe

Rundbrief 4/99



als die Entscheidung der Schwedischen Akademie bekannt gegeben wurde, unterbrach der Stadtrat in Danzig sofort seine Sitzung. Eine Feier wurde improvisiert, ein Telegramm an den Ehrenbürger der Stadt verfaßt, die Wellen der Begeisterung schlugen hoch. "Günter Grass ist der erste Danziger, der den Nobelpreis für Literatur bekommen hat", sagte Pawel Adamowicz, der Bürgermeister. "Dieser Preis ist eine Ehre für unsere Stadt!"

In Polen freut man sich von Herzen über den Preis für einen Schriftsteller, der hier als Deutscher und Kaschube gilt. In fast allen Stimmen und Kommentaren, die nach der Entscheidung der Schwedischen Akademie in der polnischen Presse, im Radio und im Fernsehen erschienen sind, wird auf die "gemischte" Herkunft des Schriftstellers verwiesen, der in Danzig geboren wurde, aber durch seine Mutter mit den Kaschuben verbunden ist. "Ein Kaschub und ein Gdanszczanin", "Der Kaschube Grass", "Der Schriftsteller vom Acker nebenan" - so lauten die Bezeichnungen, mit denen Grass jetzt versehen wird. Er sei ein großer Autor aus einer "kleinen Heimat", womit die kaschubisch-polnische Region von Danzig und Umgebung gemeint ist. "Günter Grass ist ein Kaschube. Und ein Kaschube ist ein feiner Kerl!" sagt Adam Michnick, der Herausgeber der "Gazeta Wyborsza".

In Danzig selbst wird Grass als Danziger angesehen, seine "Blechtrommel" gilt hier als Schlüsselroman zur Stadtgeschichte. Nicht immer war Grass` Verhältnis zu Polen ungetrübt. Keiner der Kommentatoren hält ihm heute seine alten Bemerkungen vor. Auch die berühmte satirische Szene aus der "Blechtrommel", in der die Verteidigung der polnischen Post in Danzig im Jahre 1939 geschildert wird, löst keine Proteste mehr aus. Im Gegenteil, man redet viel über die Sympathie des Schriftstellers für die Polen und über sein tiefes Verständnis für den romantischen Geist der polnischen Kultur.

Allgemeine Anerkennung findet sein Anteil an der Ostpolitik und an der polnisch-deutschen Aussöhnung. Immer wieder wird daran erinnert, daß er 1970 mit Willy Brandt in Polen war. Man weiß auch gut, daß Grass im Gegensatz zu vielen deutschen Politikern auf Seiten der Solidarnosc stand und zur Zeit des Kriegsrechts für die demokratische Opposition Partei nahm.

Die Universität Danzig verlieh ihm den Ehrendoktortitel, und nach stürmischen Protesten wurde er im Jahre 1993 Ehrenbürger der Stadt. Jetzt planen die Stadtväter für das Jahr 2000 ein Treffen zwischen Grass und den polnischen Nobelpreisträgern - Milosz, Walesa und Szymborska - in Danzig.


Deutsch-Polnischer Chor besuchte Freunde in Berlin

Auf Einladung des deutsch-polnischen Chores Spotkanie Berlin verbrachte der Deutsch-Polnische Chor Bremen am 9. und 10. Oktober ein wunderschönes Wochenende in der Bundeshauptstadt. Die Freund-schaft zwischen den beiden Chören besteht seit 1992. Dreimal waren die Berliner Sänger und Sängerinnen zu Gast bei den Familien des Bremer Chores, dreimal kam es zu einer Begegnung in Berlin, diesmal zum zehnjährigen Bestehen des Chores Spotkanie.

Höhepunkt war ein gemeinsames Herbstkonzert in der voll besetzten Dreifaltigkeitskirche in Langwitz. Nach getrennten Beiträgen des Bremer Chores unter Leitung von Rochus Salanczyk und des Berliner Chores unter Leitung von Jozef Wilkosinski erklangen zum Schluß gemeinsam mit über 80 Sängerinnen und Sängern geistliche Lieder wie "Ojcze nasz" von Moniuszko und "Verleih uns Frieden" von Mendelssohn-Bartholdy.

Begeistert waren alle Chormitglieder von dem überaus herzlichen Empfang, von der Gastfreundlichkeit in den Familien und dem schönen Beiprogramm mit einem Gemeinschaftsabend im Gemeindesaal der Kirche. Eine Stadtführung und eine Stadtrundfahrt mit einem Schiff auf der Spree durch Berlins historische Mitte rundeten das überaus interessante Programm ab.


Hohe Ehrung für Universität Bremen


Der Danziger Erich-Brost-Preis wurde in diesem Jahr der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen verliehen. Dieser Preis, gestiftet von der Erich-Brost-Stiftung in der Friedrich-Ebert-Stiftung, wird für besondere Initiativen zur Versöhnung und Zusammenarbeit zwischen Polen und Deutschen im Bereich der Kultur, Wissenschaft, Bildung und Politik vergeben.

Die Bremer Forschungsstelle unter ihrem Leiter Professor Eichwede hat die Bedeutung der polnischen und osteuropäischen Freiheitsbewegung durch ihre Arbeit in Westeuropa bekannt gemacht und damit Grundlagen für das gegenseitige Verständnis gelegt und Brücken gebaut, heißt es unter anderem. Heute birgt das Institut, das 1982 mit finanzieller Unterstützung der Länder Bremen, Hamburg und Nordrhein-Westfalen sowie der VW-Stiftung gegründet wurde, ein umfangreiches Archiv mit zehntausenden von Dokumenten der Solidarnosc aus dem Untergrund Polens.


Nicht ganz einfach für die Jury


Neuland betraten fünf Vorstandsmitglieder unserer Gesellschaft, als sie entscheiden sollten, welches Plakat nun das Beste ist. Für den 9. deutsch-polnischen Kongreß im kommenden Jahr, den die DPG Bremen ausrichtet, hatte sie in Kooperation mit der Hochschule für Künste einen Wettbewerb für einen Plakatentwurf ausgeschrieben. Das Ergebnis sollte nun von eben dieser Jury (Matuschewski, Riechel, Nalazek, Salanczyk, Stiering) begutachtet werden, was - wie gesagt - nicht einfach war.







Die Studentengruppe um Prof. Dr. Haase reichte 25 Entwürfe ein. Alle hatten sich ideen- und geistreich mit Inhalten der deutsch-polnischen Beziehungen und der politischen Bedeutung in Europa auseinandergesetzt. Den ersten Preis erhielt Terhide Aydogan zugesprochen, den zweiten Preis bekam Patrick Wojciechowski, und der dritte Preis ging an Stevie Schulze.

Es war Zufall, daß die Preisträger Türkin, Pole und Deutscher waren!


Deutsche und Polen - Aussöhnung durch Erinnern?

Ende August dieses Jahres hatten Reinhold und Sigrid Stiering Gelegenheit, an einer Konferenz in Posen teilzunehmen. Thema der Veranstaltung war "Polen und Deutsche - 60 Jahre seit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Geschichte und Zukunft".

Sigrid Stiering berichtet von dieser Konferenz und von ihren Eindrücken.

Eingeladen waren etwa 160 Personen aus Deutschland und Polen, die sich beruflich oder ehrenamtlich mit dem deutsch-polnischen Verhältnis befassen. Referenten waren namhafte Persönlichkeiten aus beiden Ländern, Hochschullehrer, Historiker, Politiker und Kirchenmänner.

Für uns, die wir die Polen von unseren vielen Besuchen ihres Landes als gastfreundliche, liebenswürdige und sehr zugewandte Menschen kennengelernt haben, die mit uns als Deutschen keine Probleme zu haben scheinen, war diese Konferenz ein aufrüttelndes, nachdenklich machendes Erlebnis.

Die zentrale Frage war die der Bewältigung der Vergangenheit, der Mitschuld der heutigen Generation, der Dialog der Völker, sollen wir vergessen, sollen wir uns erinnern . . .

Aus den vielen Vorträgen und Diskussionsbeiträgen, die von jedem durch Simultanübersetzung über Kopfhörer verstanden wurden, versuche ich, das Wichtigste zusammenzufassen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Deutschen zunächst unfähig, zu reflektieren. Viele hatten ihre Heimat verloren, alles war zerstört, man hatte Schweres durchgemacht, viele Tote waren zu betrauern. Erst allmählich, in den sechziger Jahren, begann ein Nachdenken, eine Auseinandersetzung mit dem Krieg, mit der Frage, wie es weitergehen soll. 1964/65 debattierte der Bundestag die Frage der Verjährung von NS-Verbrechen. Die Ost-West-Gespräche vertieften sich.

Für die Polen hatten die Deutschen nach dem Krieg angesichts der erlittenen Leiden und Grausamkeiten nichts Menschliches mehr an sich. Viele waren der Meinung, daß die Deutschen schon immer so waren. Das Bewußtsein der Polen glich dem einer Waisen - wir haben alles verloren. Die Teilungen des Landes in den vergangenen 200 Jahren, in denen andere die Verantwortung für die Menschen übernommen hatten, führten zu einem übersteigerten Nationalbewußtsein, einer Heroisierung der eigenen Geschichte. Die Abneigung gegen die Deutschen wurde im Laufe der Jahre dadurch genährt, daß Deutschland sich wirtschaftlich schnell erholte, während es den Polen, obgleich sie zu den Siegern zählten, weiterhin schlecht ging, Die Kommunisten haben diese Abneigung noch geschürt. Die Russen bestimmten das Verhalten der Polen zu ihrem Nachbarn.

Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, daß die Annäherung von Polen und Deutschland so mühsam war. Der Kniefall von Willy Brandt in Warschau und die Ratifizierung der Ost-West-Verträge brachten die Menschen einander näher. Jetzt, 60 Jahre nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, sahen alle Referenten die Zukunft positiv.

Versöhnung ist möglich, aber nur, wenn wir uns erinnern. Wir müssen uns eine Erinnerungskultur schaffen durch Symbole und den ständigen Dialog. Nicht vergessen, sondern gedenken! Symbole sind zum Beispiel Denkmäler wie Auschwitz, eine der Stätten der größten Katastrophen dieses Jahrhunderts.

Die Nachkriegsgenerationen haben Schuld und Leid nicht geerbt, aber die Erinnerung, durch die eine Versöhnung erst möglich ist. Die Erinnerung hat dann einen Wert, wenn wir uns gemeinsam der Zukunft zuwenden. Das 21. Jahrhundert, die für beide Länder geltende europäische Wertegemeinschaft, die Sicherheit der Bündnisse, wird das Vertrauen und die Zusammenarbeit zwischen den Polen und Deutschen fördern!

Politik allein reicht nicht. Wertvoller und wirkungsvoller ist die Arbeit im Kleinen, der Austausch der Jugend, der Besuch der unterschiedlichsten Gruppen in unseren Ländern, auch die Arbeit der Deutsch-Polnischen Gesellschaften.

Dieser positive Ausblick und die Zuversicht aller Referenten, daß Versöhnung möglich ist, läßt mich aber nicht die polnischen Diskussionsteilnehmer vergessen, die den Krieg und die von den Deutschen verübten Gräuel bewußt miterlebten. Ihre Beiträge und Schilderungen ließen eindrucksvoll die Verbitterung und Hoffnungslosigkeit erkennen, die ein großer Teil der polnischen Zeitzeugen immer noch in sich trägt. Nicht vergessen werde ich auch den Apotheker aus Posen, etwa 60 Jahre alt, dessen Vater als polnischer Soldat als einer der ersten im Kampf gegen den deutschen Überfall sein Leben lassen mußte. Diese Zusammenkunft von Deutschen und Polen unter der polnischen, der deutschen und der europäischen Fahne mit dem Wunsch und dem gemeinsamen Ziel einer Auf-arbeitung der Vergangenheit bewegten ihn so sehr, daß er weinte.

Die Konferenz endete für die deutschen Teilnehmer mit einer beeindruckenden Exkursion nach Gnesen/Gniezno, wo sie von Erzbischof Henryk Muszynski empfangen wurden.


Gründung der Pomorskie Towarzystwo Polska - Niemcy

Die erste Mitgliederversammlung der Pommerschen Gesellschaft Polen - Deutschland wählte am 18. November in Danzig folgenden Vorstand: Präsident Henryk Wozniak, Vize-präsident Alojzy Tomaszewski, Sekretärin Malgorzata Gumos, Schatzmeister Maciej Dobrzyniecki, Beisitzer Andrzej Wyrzykowski und Ludwik Kiedrowski. In das Ehrenkomitee wurden der Sejmmarschall der Republik Polen, Maciej Plazynski, Senator Wladyslaw Bartoszewski und Janusz Reiter berufen.

Die Gesellschaft zählt 103 Mitglieder. Die erste "Abteilung" war seinerzeit in Elbing mit 16 Mitgliedern gegründet worden. Darüber hinaus sind weitere Sektionen in der Woiwodschaft in der Gründungsphase.

Der Vorstand hat der neuen Gesellschaft alles Gute zum Neubeginn gewünscht und hofft nun, in Danzig einen verläßlichen Partner für die gemeinsame Arbeit gefunden zu haben.


Wer tauscht Briefmarken?

Herr Otto H. Wiemeyer sucht einen Partner in Polen, der mit ihm Briefmarken tauscht, deutsche und polnische, postfrisch und gebraucht. Er selbst spricht zwar nur deutsch, würde sich aber über Zuschriften sehr freuen. Seine Anschrift: Neuenlander Straße 12, 28119 Bremen.


Radio Bremen: "Auf schwarzen und weißen Tasten"

Im zweiten Konzertabend der Radio Bremen Konzertreihe am Mittwoch, dem 12. Januar, geben die polnischen Schwestern Anna und Ines Walachowski ihr Bremer Debüt. Die beiden Duopartnerinnen zählen heute zu den vielversprechendsten Duos auf schwarzen und weißen Tasten. Das Konzert beginnt um 20 Uhr im Sendesaal von Radio Bremen. Karten an der Abendkasse oder als telefonische Vorbestellung unter (0421) 246-1475 oder 1472.


Neuer Konsul

Roland Fournes ist neuer deutscher Generalkonsul in Danzig. Er ist Nachfolger von Frau Bode. Wir wünschen ihm für sein Amt alles Gute für die Zukunft und hoffen auf eine gedeihliche Zusammenarbeit.


Vorstand und Beirat der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Bremen wünschen Ihnen und Ihren Angehörigen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahrtausend!


Für den Vorstand

Rainer Nalazek             Reinhold Stiering
Aktuelle Rundbriefe
Rundbriefe im Archiv
Archivübersicht


Start | Die DPG Bremen | Termine | Rundbriefe | Städtepartnerschaft |
| Kontakte | Archiv | Links | Download | Gästebuch | Sitemap | Impressum |

Deutsch-Polnische Gesellschaft Bremen e. V.
Janusz-Korczak-Haus, Osterdeich 6, 28203 Bremen
Tel. (04 21) 32 42 38, Fax (04 21) 9 49 54 32, Email: dpg@ewetel.net