Janusz-Korczak-Haus Deutsch-Polnische Gesellschaft Bremen e. V.

Janusz-Korczak-Haus - Osterdeich 6 - 28203 Bremen

 
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Das Archiv - Rundbriefe

Rundschreiben Nr. 3 - September 2000



Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mitglieder und Freunde!

Wir freuen uns, dass Sie wohlbehalten und erholt aus dem Urlaub zurück gekehrt sind - gleich, wohin Ihr Fernweh Sie geführt haben mag. Und wenn Sie das schöne Bremen, das immer mehr Fremde entdecken, zum Hierbleiben verlockte, haben Sie möglicherweise eine weise Entscheidung getroffen.

Auf ein interessantes letztes Quartal des ersten Jahres im neuen Jahrtausend wollen wir Sie einstimmen, auf Veranstaltungen hinweisen, die hoffentlich Ihr Interesse finden. Der Vorstand hat auf seiner letzten Sitzung beschlossen, dass das 25jährige Bestehen unserer Gesellschaft in einem nur bescheidenen Rahmen begangen werden soll. Dem gegenüber wird das Jubiläum der Städtepartnerschaft Bremen-Danzig, die im April 1976 von der Bremischen Bürgerschaft ratifiziert wurde, in beiden Städten durch die jeweiligen Regierungen sicherlich eine größere Würdigung finden. Über beide Ereignisse werden wir Sie rechtzeitig und umfassend informieren.


Werftarbeiter leiteten die Wende ein

Es waren keine großen Jubelfeiern - immerhin erinnerte man sich an die Gründung der ersten freien Gewerkschaft Solidarnosc im Ostblock vor zwanzig Jahren: in Danzig. Das Bild in einer Bremer Tageszeitung spricht Bände: ein Lech Walesa, die Hand mit dem V-Zeichen hoch erhoben, daneben ein grimmig dreinblickender Masowiecki und die gnädig applaudierenden Buzek und Krzaklewski. Immerhin: Heute sind sich die Historiker einig: Die Streiks auf der Werft, die "August-Vereinbarungen" und eben das Entstehen dieser großen Solidarnosc waren das Ende vom Kommunismus in Osteuropa. Das Bündnis von Arbeitern und Intellektuellen ließ die Gewerkschaft zum Keim einer Volksbewegung für Demokratie und Menschenrechte werden. Was blieb?

Lech Walesa hat aus den Tantiemen seiner Biographie ein eigenes Institut gegründet, das seine Auslandsreisen und seinen Wahlkampf organisiert. Vom einstigen Glanz des Arbeiterführers und Nobelpreisträgers ist nur noch die Patina übrig. Nach Umfragen würden Walesa gerade noch vier Prozent der Wähler ihre Stimme geben. Sic transit gloria mundi!


Lesung im Janusz-Korczak-Haus

Krystyna Ewa Vetulani, Jahrgang 1924, war von 1942 bis 1945 als Zwangsarbeiterin in einer thüringischen Kleinstadt am Harz, wo sie in einer Kautabakfabrik und später in der Waffenproduktion arbeiten musste. Nach ihrer Befreiung schrieb sie sich all ihr Leid von der Seele und nannte das Buch "In einem deutschen Städtchen - Erinnerungen einer polnischen Zwangsarbeiterin". Diese Erinnerungen beeindrucken durch ihre Ehrlichkeit, Vorurteilsfreiheit und Empfindsamkeit. Die Autorin liest aus ihrem Buch am Donnerstag, dem 28. September 2000, um 19 Uhr im Haus der DPG am Osterdeich 6.


Chorkonzert

Der bekannte Warschauer Knaben- und Männerchor konzertiert Sonntag, 1. Oktober 2000, um 18 Uhr in der St.-Pauli-Kirche in der Großen Krankenstraße 11, Bremen-Neustadt (in der Nähe Am Neuen Markt). Der Chor wurde 1990 bei der Chopin-Musikakademie in Warschau gegründet und zählt 45 Mitglieder - der jüngste ist gerade acht Jahre alt. Zum Repertoire gehören Werke aus verschiedenen Epochen, angefangen vom gregorianischen Choral über Barockwerke, Oratorien und Kantaten bis zu moderner Musik.


Jugend - Jugend

Nach wie vor ist es das Bestreben der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Bremen, den Jugendaustausch in besonderem Maße zu fördern. So sind wir auch mit tatkräftiger Unterstützung des Deutsch-Polnischen Jugendwerks im Sommer in der Lage gewesen, den Besuch einer polnischen Jugendtheatergruppe aus Wroclaw zu ermöglichen. Die jungen Polen beeindruckten im Bremer Schauspielhaus mit ihrem Stück "Der Referent" von Julian Tuwim. Es handelt vom allmächtigen Behördenapparat eines totalitären Staates, dem letztlich der Mensch zum Opfer fällt. Der anschließende Empfang, den die LAG Darstellendes Spiel an Bremer Schulen zu Ehren der polnischen Gäste gab und an dem auch Bildungssenator Willi Lemke teilnahm, gab Vorstandsmitglied Reinhold Stiering Gelegenheit, die Gäste zu begrüßen und auf die Bedeutung des Jugendaustausches zwischen Polen und Deutschland hinzuweisen.


Nach der Aufführung in angeregtem Gespräch (von links): Senator Willi Lemke; Reinhold Wetjen, swb Enordia, Sponsor des Schultheaters, Reinhold Stiering, DPG und Holger Möller, Arbeitsgemeinschaft Darstellendes Spiel der Bremer Schulen.


Nach der Aufführung der polnischen Jugendtheatergruppe in angeregtem Gespräch (von links): Senator Willi Lemke, der Sponsor des Schultheaters, Reinhold Wetjen, swb Enordia, DPG-Vorstandsmitglied Reinhold Stiering und Holger Möller von der Arbeitsgemeinschaft Darstellendes Spiel der Bremer Schulen.




Polnisch-Deutscher Umweltkongress

Vom 22. bis 24. September 2000 findet in Bydgoszcz ein Kongress der Deutsch-Polnischen Gesellschaften statt, der alle Arbeitsgemeinschaften Umwelt und Ökologie vereinen soll. Selbstverständlich sind auch Freunde des deutsch-polnischen Umweltdialogs herzlich eingeladen, sich am Thema "Gemeinsames Europäisches Umweltbewusstsein - Herausforderung für das neue Jahrtausend" zu beteiligen.


Besuch aus Zukowo

Fast schon Tradition ist es geworden, dass zur Freimarktszeit eine Gruppe junger Menschen aus der in der Nähe von Danzig liegenden Stadt Zukowo Bremen besucht. Die etwa 30 Polen im Alter von 14 bis 18 Jahren in Begleitung ihrer Lehrkräfte werden vom 17. bis 22. Oktober Gäste unserer Gesellschaft sein und in dieser Zeit Gelegenheit haben, Bremer Schulen, die Bürgerschaft, Jugendfreizeitheime und andere kommunale Einrichtungen zu besuchen. Außerdem sind sie einen Tag lang auf der Expo in Hannover. Selbstverständlich gehören ein Ausflug auf den Bremer Freimarkt und als krönender Abschluss der Freimarktsumzug dazu.


Deutsch-Polnisches Jugendwerk?

Das DPJW ist eine Organisation, die die Regierungen von Deutschland und Polen geschaffen haben, damit die Jugendkontakte zwischen Deutschland und Polen zunehmen und vertieft werden. Am 17. Juni 1991, als der Nachbarschaftsvertrag unterzeichnet wurde, unterschrieben die Jugendminister auch das Abkommen über das Deutsch-Polnische Jugendwerk. Man vereinbarte die Gründung dieser gemeinsamen regierungsunabhängigen Institution, die 1993 ihre Arbeit aufnehmen konnte. Seitdem ist das DPJW für den Jugendaustausch zuständig, der sowohl Schüler als auch Jugendliche außerhalb der Schule umfasst. Die Organisation wird von beiden Regierungen finanziert, alle ihre Organe sind binational besetzt.


Bremer helfen Bremern

Der Deutsch-Polnische Chor ruft zur Mithilfe für die Wilhelm Kaisen Bürgerhilfe auf. Ein Benefiz-Konzert findet deshalb statt am Sonntag, dem 24. September 2000, um 15.30 Uhr in der Freien Waldorfschule Bremen, Touler Straße 3 (am besten zu erreichen mit der Straßenbahn, Haltestelle Metzer Straße oder Kirchbachstraße). Weitere Mitwirkende sind Angie and the JazzinŽ Daddies, der Frauenchor beim Polizeichor Bremen und der Polizeichor Bremen. Die Gesamtleitung liegt in den bewährten Händen von Rochus Salanczyk.


"Irgendwo bei Kattowitz"

Wir machen aufmerksam auf den aktuellen Band "die horen", einer Zeitschrift für Literatur, Kunst und Kritik. Die Ausgabe stellt die polnische Gegenwart im Spiegel der Literatur vor, herausgegeben von der Arbeitsgruppe Literatur polska 2000 unter Leitung von Albrecht Lempp und Bronislaw Maj. Außerdem - bemerkenswert - eine Fotoserie von Elzbieta Lempp: West goes East. Die 284 Seiten umfassende Ausgabe kann über unsere Gesellschaft mit Rabatt bezogen werden.


"Wir sind sehr dankbar"

Haben Sie schon einmal in unser Gästebuch geschaut? Nein? Tun Sie es. Wenn Sie das nächste Mal in unserem schönen Haus am Osterdeich an irgendeiner Veranstaltung teilnehmen, schauen Sie hinein - Sie werden erstaunt sein, wie viele Menschen im Laufe eines Jahres von uns empfangen wurden. Viele dankbare Eintragungen beweisen es - wie diese: " . . . bei einem anderen Feuer in einer anderen Nacht sehen wir uns wieder!" (Danziger Pfadfinder)


Tagung für Polen und Deutsche

Die Aktivitäten der deutsch-polnischen Gesellschaften haben in hohem Maße dazu beigetragen, die Beziehungen zwischen den beiden Nachbarstaaten zu verbessern. 10 Jahre nach der Wende sind nunmehr auch in Polen verstärkt polnisch-deutsche Gesellschaften entstanden, die in ähnlicher Weise bestrebt sind, das Wissen über und das Verständnis für die deutschen Nachbarn zu mehren. Vom 23. bis zum 26. November findet unter diesem Thema ein Seminar vom Gesamteuropäischen Studienwerk in Vlotho statt. Interessierte melden sich bitte beim Vorstand.




Hilfe für ein kleines Mädchen

Erst ein Jahr alt ist Katarzyna aus Choszczno in Polen und von Geburt an schwer krank. Sie leidet an der sehr seltenen genetischen Erkrankung Glutarazedurie Typ 1, bei der bestimmte Eiweißbestandteile, die in der Muttermilch und in sämtlichen pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln vorkommen, nicht vollständig abgebaut werden. So kann das Kind über die natürliche Nahrung nicht ausreichend mit Eiweiß, Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen versorgt werden. Die Folge sind teilweise sehr schwere und schmerzhafte Muskelkrämpfe. In Polen ist diese Erkrankung der erste diagnostizierte Fall, und man hat damit überhaupt keine ausreichende Erfahrung. Ein spezielles Präparat ist notwendig, das in Deutschland erreichbar, aber sehr teuer ist. Zudem ist eine diätetische Einstellung, die in einer Stoffwechselklinik in Berlin vorgenommen werden kann und die das Leben der kleinen Katarzyna stabilisieren würde, erforderlich.

Das Leid der bedauernswerten Eltern Adamski wird noch vergrößert, wenn man weiß, dass das erste Kind, jetzt 11 Jahre alt, als Frühchen auf die Welt kam und im Brutkasten durch zuviel Sauerstoff erblindete.

Die Deutsch-Polnische Gesellschaft Bremen will helfen. Für eine Behandlung und um das Leben des kranken Kindes zu retten sind 40 000 Mark erforderlich.

Wenn Sie helfen wollen, bitten wir um Spenden auf das Konto unserer Gesellschaft bei der Sparkasse in Bremen mit dem Stichwort "Hilfe für Katarzyna" unter der Nummer 171 8907 - BLZ 290 501 01.

V. i. S. d. P. Reinhold Stiering, Brokmerländer Str. 12 - 28259 Bremen - Tel. 51 36 61 - Fax 51 43 663

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