Janusz-Korczak-Haus Deutsch-Polnische Gesellschaft Bremen e. V.

Janusz-Korczak-Haus - Osterdeich 6 - 28203 Bremen

 
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Das Archiv - Rundbriefe

Rundschreiben Nr. 4 - Dezember 2000



Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mitglieder und Freunde!

In unserem letzten Rundschreiben baten wir um Ihre Hilfe für ein krankes Kind. Unsere Bitte - auch von den heimischen Medien unterstützt - fand ein großes Echo. Wir können Ihnen die erfreuliche Mitteilung machen, dass für die "kleine Katarzyna" inzwischen etwas mehr als 20 000 DM eingegangen sind. Erste Hilfe konnte dank dieser Spendenbereitschaft geleistet werden.


Im Namen der Eltern sprechen wir Ihnen unseren Dank aus.



Beginn um 18 Uhr!


Zu unserem Jubiläumsabend haben wir Sie mit unserem Schreiben
und der Jubiläumsbroschüre eingeladen.
Leider haben wir es versäumt, Ihnen die Uhrzeit mit anzugeben - sorry!
Die Veranstaltung ist am Montag, dem 18. Dezember um 18 Uhr
im Janusz-Korczak-Haus, Osterdeich 6.



Wer fährt mit nach Danzig?

Im Jahre 2001 werden die gemeinsam mit den Danzigern geplanten Feiern anlässlich des 25jährigen Bestehens der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Bremen und der ebenso lange bestehenden Partnerschaft zwischen Bremen und Danzig stattfinden. Am 12. April, dem Tag der Unterzeichnung der Rahmenvereinbarung zwischen den beiden Städten - übrigens die erste Partnerschaft einer westdeutschen Stadt mit einer polnischen - vor 25 Jahren, wird es ein Internet-Chat geben. Beteiligt sind Repräsentanten und Bürger beider Städte.

Vom 12.-15. Mai sind die Danziger mit ihrem Stadtpräsidenten Pawel Adamowicz und vielen Gruppen, Gauklern und Gefolge in Bremen, vor allem auf dem Marktplatz. Die Bremer wiederum fahren in die Partnerstadt vom 23.-26. Juni, um dort während der alljährlich stattfindenden "Tage des Meeres" ihre Visitenkarte abzugeben. Die Deutsch-Polnische Gesellschaft plant aus diesem Anlass eine Bürgerreise.

Um eine solche Reise in einem ansprechenden Rahmen organisieren und vor allem aber auch die Kosten kalkulieren zu können, müssen wir die ungefähre Zahl der Teilnehmer wissen. Der Termin der Reise wird voraussichtlich sein: Freitag, 22., bis Donnerstag, 28. Juni. Neben dem offiziellen Programm sind auch Besichtigungen der Stadt und ihrer Sehenswürdigkeiten sowie Fahrten in die nähere Umgebung - Marienburg, Kaschubei usw. - vorgesehen. Geprüft wird zur Zeit, welche Verkehrsmittel am günstigsten und zweckmäßigsten sind.

Wir sind bemüht, so schnell wie möglich ausführliche Informationen zu liefern.

Bitte setzen Sie sich wegen einer unverbindlichen Anmeldung mit dem Büro der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Bremen e. V. in Verbindung:
bei Frau Dr. Exner und Frau Riechel, Telefon (04 21) 3 61-65 80.


Privatisierung der Wirtschaft in Polen

Im Rahmen der Feiern zum 25-jährigen Jubiläum der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Bremen fand am 16. November 2000 im Janusz-Korczak-Haus ein gut besuchter Vortrag von Prof. Dr. Wozniak zum Thema "Privatisierung in Polen" statt. Der Referent ist nicht nur Professor für Logistik an der Universität Danzig, sondern zugleich Beauftragter für die Privatisierung in der Wojewodschaft Pommern. Das kam dem Vortrag zugute, konnte dadurch der Referent neben exakter wissenschaftlicher Analyse, Berichte aus eigener Erfahrung beisteuern und auf diese Weise seinen Vortrag anschaulicher machen. Die Privatisierung des staatlichen Vermögens stelle aus seiner Sicht eine unabdingbare Voraussetzung für das Funktionieren der Marktwirtschaft in Polen dar. Entsprechend früh und energisch habe man sich daher an diese Aufgabe herangemacht. Bereits im Jahre 1990 wurde ein "Gesetz über die Privatisierung von staatlichen Unternehmen" beschlossen, das zur Rechtsgrundlage für die Überführung der ursprünglich 8.453 staatlichen Unternehmen in Privatbesitz wurde. Bis Mitte 2000 wurden davon bereits 5.080 Betriebe in Gesellschaften des Handelsrechts umgewandelt. Es entstanden Aktiengesellschaften und GmbH, die schließlich über den Verkauf von Aktien oder Gesellschaftsanteilen privatisiert wurden. In dieser sog. mittelbaren Form sind u. a. so bekannte Großbetriebe wie die polnische Fluggesellschaft LOT mit 4000 Arbeitnehmern, die Warschauer Heizwerke mit 4200 Arbeitnehmern oder die größte Fiskusgesellschaft, die Allgemeine Sparkasse Bank Polski AG mit fast 40.000 Beschäftigten, privatisiert worden. Eine andere Form, die sog. unmittelbare Privatisierung durch direkten Verkauf oder "Überlassung zur entgeltlichen Nutzung", führte zur Privatisierung von weiteren 1932 ursprünglich staatlichen Betrieben. Im Ergebnis der bisherigen Maßnahmen gehören fast 80% der in Polen eingetragenen Gesellschaften dem Privatsektor an, der etwa 61% des Bruttosozialprodukts erwirtschaftet und 65% der Gesamtzahl der Arbeitnehmer beschäftigt.

In der anschließenden Diskussion zeigte sich das Auditorium überaus sachkundig. Die Fragen bezogen sich auf das gesamte Spektrum der Privatisierung und deren Folgen. Besonders die ökonomischen und sozialen Auswirkungen sowie die weitere Entwicklung bis hin zu den auch in Deutschland aktuellen Problemen der Privatisierung der Telekommunikation weckten das Interesse des Publikums. Weitere Diskussionsbeiträge bezogen sich auf deutsche Investitionen in Polen, die nur im Kontext der Privatisierung gelöst werden können, und schließlich auf die zu erwartenden Auswirkungen eines privat betriebenen Autobahnnetzes. Wenn auch letztlich nicht alles geklärt werden konnte, es war ein lebhafter und kommunikativer Abend.
Wolfgang Reichel


Gemeinde wurde Mitglied

Die Kirche der Hastedter Auferstehungsgemeinde ist an fast der gleichen Stelle errichtet worden, an der die Wäscherei Hayungs während des zweiten Weltkrieges durch Bomben zerstört wurde. In dieser Nacht fanden zahlreiche polnische zwangsverschleppte Frauen, die in der Wäscherei arbeiten mussten, den Tod.

In jedem Jahr nun findet am Buß- und Bettag ein ökumenischer Friedensgottesdienst statt, der dem Gedenken dieser jungen polnischen Mädchen und Frauen gilt. Prälat Kownacki von der Polnischen Katholischen Mission in Bremen und Pastor Puschke von der Auferstehungsgemeinde leiteten den Gottesdienst. Reinhold Stiering schilderte in einer Ansprache Werden und Wirken und die Ziele der Deutsch-Polnischen Gesellschaft während 25 Jahre. Den musikalischen Teil dieser beeindruckenden Veranstaltung übernahmen der Deutsch-Polnische Chor unter Rochus Salanczyk, die Kantorei der Auferstehungsgemeinde und die Instrumental- und Gesangsgruppe der Katholischen Mission.

Nach der Zeremonie erklang an der Gedenktafel für die verstorbenen Polen das "Gaude mater Polonia". Der Vorsitzende des Kirchenvorstands, Wulf, konnte den Anwesenden während des anschließenden Beisammenseins den Beitritt der Gemeinde zur Deutsch-Polnischen Gesellschaft Bremen mitteilen.


Viel umjubelte junge Künstler

Ein ganze Reihe von Veranstaltungen begleiten das 25-jährige Jubiläum unserer Gesellschaft. Im Oktober war der Warschauer Knaben- und Männerchor von der Fryderyk-Chopin-Musikakademie War-schau zu Gast. Obwohl seine künstlerische Karriere verhältnismäßig kurz ist, konnte der Chor, dessen Mitglieder teilweise zwischen 8 und 14 Jahre alt sind, einen tiefen Eindruck hinterlassen. Zu bedauern ist allerdings, dass recht wenige Mitglieder den Weg zur St.-Pauli-Kirche in der Neustadt fanden.

Im ausverkauften Saal der Stadtwaage hatten zwei junge polnische Künstler ihren Auftritt, die nach ihren Darbietungen lang anhaltenden Beifall bekamen. Oskar Jezior ist erst 15 Jahre alt, ein begabter Violinist und Klaviervirtuose. Nicht viel älter ist Anna Wegrzyn, eine Sängerin voller Innigkeit und ergreifender Stimme.

Oskar Jezior spielte Brahms, Chopin und eine eigene Komposition. Insbesondere Chopins Ballade in f-moll und die Polonaise in As-Dur, gespielt in einer bewegten, sanften Stimmung und in einer glanzvollen Rhythmik, haben die Zuhörer begeistert. Anna Wegrzyn sang Schuberts Klavierlieder und Lieder in Polnisch von Karlowicz. Durch ihre schlichte Art der Interpretation zog sie die Zuhörer in ihren Bann. Das Konzert moderierte Rochus Salanczyk. Es war ein voller Erfolg. Die DPG ist um einige Freunde reicher geworden.


Perschau wieder Sprecher

"Der Beirat berät den Vorstand in wichtigen Sachfragen. Ihm sollen Personen angehören, die durch ihre wissenschaftliche, politische, publizistische oder künstlerische Tätigkeit der Zielsetzung des Vereins dienlich sein können." So heißt es in der Satzung unserer Gesellschaft, und einmal im Jahr treffen sich Beirat und Vorstand zu gemeinsamem Gespräch. Bürgermeister Hartmut Perschau - übrigens in Danzig geboren - ist Sprecher dieses Beirats. Er wurde auch diesmal einstimmig wiedergewählt. Im übrigen wurde dem Vorstand - vor allem im Hinblick auf das Jubiläumsjahr - eine gute Arbeit bescheinigt. Die Ausrichter der Veranstaltungen für das 25-jährige Bestehen der Partnerschaft zwischen Bremen und Danzig erwarten von der Deutsch-Polnischen Gesellschaft tatkräftige Unterstützung.


Besuch aus Zukowo mit Bürgermeister Scherf


Auf Einladung unserer Gesellschaft weilten wieder einmal junge Polen aus Zukowo mit ihren Lehrern in der Hansestadt. Und selbstverständlich besuchten sie auch Bürgermeister Scherf im Rathaus. Groß war die Freude bei Nobelpreisträger Günter Grass, der aus Anlaß einer Pressekonferenz in eben diesem Rathaus weilte, als ihm - dem Kaschuben - die Jugendlichen aus der Kaschubei ein Ständchen brachten, einige sogar in ihren landesüblichen Trachten.


In der Lloyd-Passage

Sollten Sie am Sonnabend, dem 16. Dezember, zufällig in der Stadt sein, um noch die letzten Geschenke zu besorgen oder um den so schönen Bremer Weihnachtsmarkt zu besuchen - schauen Sie doch mal am Informationsstand unserer Gesellschaft in der Lloyd-Passage vor dem Kaufhaus Galeria vorbei. Vielleicht treffen Sie den einen oder anderen Prominenten, auf jeden Fall aber viele unserer Vorstandsmitglieder, die manche Überraschung für Sie parat haben. Lassen Sie sich überraschen von den Bremer Stadtmusikanten oder von einer polnischen Folkloregruppe. Gutes können Sie tun, wenn Sie einen Becher der DPG erwerben, Sie helfen damit armen und behinderten polnischen Kindern.


Polen und Deutsche gemeinsam

Im September fand in Bydgoszcz/Bromberg unter dem Thema "Gemeinsames Europäisches Umweltbewusstsein - Herausforderung für das neue Jahrtausend" ein polnisch-deutscher Umweltkongress statt. Es ist ein Beitrag beider Nationen für die Integration Polens in die Europäische Union.

In Lezno (südlich von Poznan/Posen) findet vom 4. bis 6. Mai 2001 der 10. Kongress "Deutsche und Polen gemeinsam in Europa" statt. Die Vorbereitungen haben begonnen. Interessenten wird nach Fertigstellung das aus-führliche Programm zugestellt.

Das Zentrum für Jüdische Kultur in Krakau bietet für die Zeit vom 1. bis 15. August 2001 ein Sommerprogramm an: "Auf den Spuren des jüdischen Erbes in Galizien". Unterlagen können beim Vorstand erfragt werden.


Ausstellung in Bremen

Das Neue Museum Weserburg bittet alle zwei Jahre eine Gastkuratorin, in einer Ausstellung entscheidende Positionen - sowohl thematisch wie künstlerisch - der Gegenwartskunst vorzustellen. Anda Rottenberg, seit 1993 Direktorin der Zacheta in Warschau, macht die Gegenwart des Vergessens zum Thema ihrer Ausstellung.

"Amnesia". Die beteiligten Künstler kommen aus Polen, Frankreich, Deutschland, USA, Großbritannien und Russland.


Ohne Kommentar

Der "Frankfurter Rundschau" entnehmen wir folgende Meldung:

Eine Entschädigung durch die Bundesregierung für die Hinterbliebenen der 1939 von den Nationalsozialisten in Danzig hingerichteten Postbeamten ist in Sicht. Die Oberfinanzdirektion Köln und die Anwälte der Angehörigen haben sich außergerichtlich auf eine Summe verständigt. Die Höhe der Zahlung soll geheim bleiben, bis alle Witwen und Kinder zugestimmt haben. Frühere Bundesregierungen hatten versucht, einem Vergleich mit NS-Opfern vor Gerichten aus dem Weg zu gehen. Die Opfer des NS-Urteils waren Postbeamte, die sich am 1. September 1939 nach dem Überfall Deutschlands auf Polen in ihrem Danziger Postgebäude verschanzt und den Nationalsozialisten Widerstand geleistet hatten. Die deutsche Feuerwehr pumpte Benzin in den Keller und zündete es an. Mehr als zehn der etwa 50 Männer starben. Die Überlebenden wurden wegen Freischärlerei zum Tode verurteilt und am 5. Oktober 1939 hingerichtet.


www.dpg.microserve.de

Wie Ihnen bekannt ist, ist die Deutsch-Polnische Gesellschaft Bremen im Internet mit einer eigenen Homepage vertreten. Die stets aktualisierten Seiten werden gut besucht und verweisen durch interessante Querverweise und Links auf andere hilfreiche Quellen. Besuchen Sie uns doch einfach mal - im Internet!



Schon heute senden wir Ihnen
unsere besten Wünsche
für ein gesegnetes Weihnachtsfest
und für ein friedvolles
neues Jahr 2001




V. i. S. d. P. Reinhold Stiering, Brokmerländer Str. 12 - 28259 Bremen - Tel. 51 36 61 - Fax 51 43 663

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