Rundschreiben Nr. 3 - September 2002
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde!
Wenn Sie diesen Rundbrief in Händen halten, sind unsere Stipendiaten schon wieder in ihre Heimat zurückgekehrt. Wir wissen, dass es ihnen bei uns gut gefallen hat. Einer hat seine Eindrücke für uns aufgeschrieben. Hier ist sein Bericht.
"Ich heiße Maciej Bajerowski und studiere an der Medizinischen Akademie in Danzig. Die Teilnahme an dem internationalen Ferienkurs in Bremen war mein erster Aufenthalt in Deutschland. Noch während der Anreise, hatte ich Angst, ob meine Deutschkenntnisse ausreichend sind und ob durch die Deutschen gut empfangen werde. Nach der herzlichen Begrüßung durch Herr Prof. Reichel und seine Frau war ich aber sicher, daß ich hier in der Freien Hansestadt Bremen eine schöne Zeit verbringen werde. Auch dank Herrn Professors Reichel Hinweisen und Betreuung war mein Aufenthalt hier bequem und angenehm.
Als Höhepunkt der ersten Kurswoche fand ich den Empfang bei der Bremischen Bürgerschaft. Alle Sprachkursteilnehmer wurden durch die Repräsentantin des Bürgermeisters feierlich begrüßt.
Bremen ist eine wundervolle Stadt. Auf den ersten Blick erschien mir die Stadt nicht sehr groß, aber als ich mit dem Bus bis an das Stadtende zu fahren versuchte, verstand ich, wie groß Bremen ist. Auch die zahlreichen Radfahrer waren eine Überraschung für mich. Ich selbst fahre gerne Rad und darum meine ich, daß solche Radfahrwege wie hier in allen Städten sein sollten.
Deutschland habe ich immer mit einer hoch entwickelte Wirtschaft in Verbindung gebracht und habe dabei die Kulturschätze vergessen. Ich wußte auch nicht, daß Bremen so alt ist. Deshalb erwartete ich nicht eine so schöne Altstadt. Ich konnte sie während der Stadtführung betrachten. Besonders gefallen hat mir der riesengroße Dom und die wunderschöne obere Halle des Alten Rathauses, die ich erst während des Jubiläumskonzertes des Deutsch-Polnischen Chores Bremen bewundern konnte.
Der wichtigste Teil meines Aufenthaltes in der Stadt der Musikanten war sicherlich der Besuch des internationalen Ferienkurs an der Hochschule Bremen. Die Teilnahme an diesem Sprachkurs verdanke ich der Freigebigkeit der Mitglieder der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Bremen. Sie haben zwei Stipendien für polnische Studenten aus Partnerstadt Danzig gestiftet. Dafür bin ich sehr dankbar.
Ich konnte hier meine Deutschkenntnisse überprüfen und in vier Wochen noch weiter vertiefen. Dank der fachwissenschaftlichen Vorträge und Seminare konnte ich auch etwas über Deutschland und die EU erfahren. Ich denke, daß diese Informationen sehr wichtig sind für einen Bürger des Staates, der die Mitgliedschaft in der EU anstrebt. Der internationale Charakter des Kurses ermöglichte mir, nicht nur die deutsche Kultur, sondern auch ein bißchen die Kultur vieler anderer Länder kennenzulernen.
Besonders wichtig war für mich, daß ich dank der Vermittlung Herrn Prof. Reichels von der DPG Bremen und des Wohlwollens von Herrn Dr. Gruhl eine Möglichkeit bekommen habe, mein ärztliches Ferienpraktikum im nächsten Jahr an einem Krankenhaus in Bremen abzuleisten. Auf diese Weise werde ich meine Sprachkenntnisse erweitern und zwar auch auf dem medizinischen Gebiet. Ich werde auch die Möglichkeit haben, das Gesundheitswesen und neue Behandlungsmethoden in Deutschland kennenzulernen."
Der Literatur wieder einen Stellenwert geben
Ein erfolgreicher Literaturabend im Janusz-Korczak-Haus: ein interessiertes Publikum lauschte den Worten von Inge Buck, Konstanze Radziwill und Wolfgang Schlott. "Boleslaw Fac 1929-2000, Dichter und Vermittler deutsch-polnischer Literatur", war das Thema des Buches, das die oben genannten Herausgeber vorstellten und aus dem sie rezitierten. Es war dem im Winter 2000 in Danzig verstorbenen polnischen Schriftsteller und Übersetzer Boleslaw Antek Fac gewidmet.
Sie erzählten von der Freundschaft und den Begegnungen mit Boleslaw Fac, gaben Erinnerungen wieder, ausgewählte Gedichte, von Dorothea Tarach eindrucksvoll in polnischer Sprache rezitiert. Es entstand ein Porträt, das sowohl die schwierigen Lebensumstände eines polnischen Intellektuellen unter den repressiven Bedingungen der kommunistischer Staatsmacht als auch die ungebrochene Liebe zum Leben, zur Wahrheitssuche aufzeigt.
Boleslaw Fac war nicht nur Übersetzer und Freund von Günther Grass, er pflegte auch enge professionelle Beziehungen mit Horst Bienek, Reiner Kunze und Günter Kunert. "Seine Faszination für Deutschland ließ ihn jedoch nie seinen polnischen Standpunkt vergessen", heißt es in dem Beitrag seines Sohnes Andrzej Fac. "Er nahm die Deutschen als Nachbarn wahr, an den wir gebunden sind und mit dem uns viel verbindet. Er unterwarf sich keinen Stereotypen, für ihn spielte auch die Frage nach Liebe gegenüber Deutschland, ähnlich wie die Frage nach der Bedrohung, keine Rolle. Nur unter intoleranten und beschränkten Menschen, ungeachtet der Tatsache, ob sie Deutsche oder Polen sind, lauert die Bedrohung. So war seine Botschaft" (S. 15., übersetzt von Wolfgang Schlott, Uni Bremen).
Er nahm an der gesellschaftlichen Bewegung "Solidarnosc" teil, und er war Begründer des Lelewel-Verlages, der zweisprachige Bücher zur deutschen und polnischen Thematik herausgab.
Vom Geist der deutschen Sprache, von der Kaschubei, von Impressionen, von unvollkommenen Annäherungen, von der Liebe zu Menschen und zu den Dingen in Danzig und in Bremen hörten wir. Es war als wenn der Städtepartnerschaft Danzig-Bremen der Geist der Poesie geschenkt wurde.
Die Literaturreihe wird im Herbst mit jungen deutsch und polnisch schreibenden Autoren fortgesetzt, um die polnische Literatur und Kultur besser kennen zu lernen. Das Buch "Boleslaw Fac, Dichter und Vermittler deutsch-polnischer Kultur" ist in der Edition Temmen (Bremen) herausgegeben, Preis 17 Euro.
Verlernen wir das Schenken?
Eine Truhe ist eine Truhe, ein Inventar, ein Möbelstück. Es wird erst durch seinen Gebrauchswert, die Ästhetik und den Hintergrund, vor dem sie entstanden ist, den Menschen, die sie würdigen und wert schätzen, zu etwas Besonderem.
Es war einmal: "Friedrich Minssen, anno 1895" so die Inschrift, Arzt in Varrel, der eine schwere Eichentruhe anfertigen ließ, fein in Handarbeit, mit streng floralem Dekor. Bis 1934 stand das gute Stück dort in Varrel, bis sie ein Sohn, in der Freien Hansestadt Danzig lebend, erbte. Die Truhe wurde als Familienstück geehrt, Tochter Annemarie wurde damit groß, viele Geschichten kreisten um dieses schöne Objekt. 1945 mußte die Familie fliehen - wie so viele im Krieg.
Polen, aus dem Osten ihrer Heimat vertrieben ebenso wie die Deutschen, fanden in jener Wohnung in Danzig, in der die Truhe stand, ein neues Heim. Bozena war damals Kind. Sie und ihre Familie lebten mit dem Inventar, der Truhe, bis jetzt, siebenundfünfzig Jahre lang, liebten sie, schätzten sie sehr und waren Kunstkenner genug, um sie vom Kurator für alte Kunst im Nationalmuseum in Gdansk registrieren zu lassen. Detaillierte Zeichnungen der Truhe, präzise Angaben und fein säuberliche Dokumente hat Bozena, inzwischen Architektin, seitdem anfertigen lassen und die Truhe als etwas Besonderes gepflegt. "Ich hänge sehr an ihr, sie ist etwas Besonderes", sagte sie.
Die beiden Kinder von damals, die Deutsche Annemarie, und die Polin Bozena, lernten sich in Gdansk kennen auf einer der offiziellen Begegnungen der Städtepartnerschaft Bremen-Gdansk. Annemarie erzählte von Bremen und vom Danzig ihrer Kindheit, Bozena erzählte von ihrer Kindheit und dem Leben in Gdansk.
Die Truhe war der Schlüssel, die Metapher für das Verbindende von beiden, das beide liebten, "das Stück zu Hause". Und was geschieht wenn Menschen aufeinander zugehen, sich verstehen, grenzüberschreitend, uneigennützig, auch wenn es nicht erlaubt ist? Sie nehmen teil am Leben des anderen durch viele Briefe, sie vergessen nicht, sie erinnern sich gemeinsam, sie teilen, sie überlegen, was den anderen am meisten glücklich macht.
Und so kam die Truhe als Geschenk von Bozena an Annemarie nach Bremen: zwar war es ein Unternehmen, das nur über das Ministerium in Warschau möglich und mit vielen Hindernissen von Zoll bis Transport begleitet war, aber sie hat alle Grenzen überschritten!
Die Polnisch-Deutsche Gesellschaft in Gdansk und die Deutsch-Polnische Gesellschaft Bremen haben ihren Beitrag auf diesem Weg geleistet und zu einem guten und glücklichen Ende auf beiden Seiten gebracht. Eines Tages Anfang August des Jahres 2002 stand die Truhe tatsächlich in Bremen!
So ist nicht nur die Truhe in "die Heimat ihrer Väter" zurückgekehrt, wie Frau Dr. Annemarie Wiechmann freudig erzählt, sondern es hat auch die stilvolle zivilgesellschaftliche Ebene der Verständigung und des herzlichen, nicht entstellten Umgangs miteinander Gestalt gefunden. Ohne das kultivierte, feinsinnige Gespür der Polen zu den Deutschen, jenseits irgendwelcher Restitutionsansprüche der Deutschen an Polen, wäre es nicht zustande gekommen.
Europa erleben: Krakau
Es gibt Orte, Augenblicke und Situationen, in denen sich die Vergangenheit mit der Gegenwart trifft, auf überraschende, leichte und natürliche Weise: ein solcher Ort ist Krakau - nicht östlich, da er zu westlich, und nicht westlich, weil er zu östlich liegt.
Wir, Freunde Polens und Mitglieder der DPG Bremen, wollten diese Stadt kennen lernen, mit den Menschen sprechen: die Deutsch-Polnische Gesellschaft organisierte diese Begegnung mit Krakau in alt bewährter Weise.
Wir wollten wissen, ob die deutsch-polnische Interessengemeinschaft, Versöhnung, Partnerschaft und gute Nachbarschaft, die Errungenschaften des vergangenen Jahrzehnts, ein ausreichend tragfähiges Fundament ist, auf dem wir ein neues Kapitel unserer Beziehungen aufschlagen können.
Wie könnten Wesen und Funktion dieser Beziehungen in der erweiterten Union beschaffen sein?
Wie viel "Ungleichzeitigkeiten" trafen wir an! Pawel Krzak führte uns mit einer unvergleichlichen Hingabe und Stolz durch alle Teile der Stadt. Geschichte ist dort allgegenwärtig, hat eine Eigendynamik, Kirchen beherrschen die architektonische Landschaft, Mönche sahen wir, doch die Menge besteht aus jungen Menschen. Belustigend die Droschkenkutscher mit Melone; beeindruckend die berühmten Krakauer Bürgerhäuser, die Literaturcafes und Buchläden - Krakau, die Hauptstadt der polnischen Literatur, der alten, neuen, allerneusten. Zwei Literatur-Nobelpreisträger leben in dieser Stadt!
Wir erfuhren von Höhen und Tiefen, von den wechselvollen Leiden der polnischen Geschichte, Siegen und Niederlagen. Die Polen wissen viel mehr über uns, als wir von ihnen - Informationen, Erkenntnisse und Verständnis müssen wir nachholen, stellten wir fest. In polnischen Schulen wird Mehrsprachigkeit, Wissen über die eigene und fremde Geschichte verlangt. Krakau ist eine jener Städte in der Mitte Europas, in der es selbstverständlich war, ihre kulturelle Tradition aus einem Mit- und Nebeneinander von jüdischen, deutschen, polnischen, tschechischen, ungarischen und vielen anderen europäischen Erfahrungen zu entwickeln. Krakauer hatten immer und haben die Fähigkeit, Fremdes, das ihre Eigenheit zerstören sollte, zu integrieren.
Lebhaftes Treiben, viele Menschen in den Anlagen, an der Weichsel, auf dem Wawel, an den Tuchhallen, darum der riesig große Marktplatz, Mittelpunkt allen Geschehens; sternförmig gehen und kommen die Straßen in die verschiedenen Himmelsrichtungen: die schöne Ulica Straszewskiego, die elegante Ulica Florianka, dazu der helle Klang des Türmerliedes ... und dazu ganz viel Internationalität.
Krakau hat drei Gegenstädte integriert ohne seinen spezifischen Charakter zu verlieren: Kazimierz (im 14. Jh. sollte Kazimierz eine polnische Gegenstadt werden, weil König Kazimierz Krakau für zu deutsch hielt; es wurde das jüdische Viertel); Josefstadt (im 18. Jh. am südlichen Weichselufer von den Österreichern, um das revolutionär-polnische Krakau zu kontrollieren); und 1949 begann das kommunistische Regime die Arbeiterstadt Nowa Huta zu errichten, Gegenstadt zum bürgerlichen Krakau, und um die konservativ-katholische Kirche zu brechen.
Krakau ist eine Stadt der vielen Geschichten, der Widersprüche, die nicht vom Fortschritt überholt werden: sie war Hansemetropole, Königsstadt der Jagiellonen, Zentrum jüdischen Lebens, humanistische Renaissance-Metropole, polnisches "Rom", polnisches "Athen", deutsche Stadt im Osten, kommunistische Modellstadt, österreichische Militärfestung, Hüterin europäischen Kulturerbes. "Krakau", so heißt es, "das ist die Mischung aus habsburgischem Charme, italienischer Grandezza, polnischem Widerspruchsgeist und nicht zuletzt katholischer Sinnenfreude."
So viele Kunstschätze auf engem Raum: aus dem späten Mittelalter, Renaissance, Barock, Jugendstil und Gründerzeit! Krakau ist eine Stadt, in der jede Generation Spuren hinterlassen hat. Von der Gotik bis zum Jugendstil hat jede Epoche ihre Architektur zurückgelassen, und auch die stalinistische Zeit hat mit der neuen Stadt Nowa Huta Krakau geprägt.
Pawel Krzak führte uns durch die Krakauer Altstadt, zum Wawel zur berühmten Jagiellonen-Universität mit der erstaunlichen Kulturvielfalt Mittel- und Osteuropas, zum Collegium Maius. Wir hatten mit Uni-Mitarbeiterinnen Gespräche über die Situation der Hochschulen; über die Situation von Frauen mit einer Vertreterin des unabhängigen Frauenverbandes "eFKa" und mit Journalisten über die aktuelle, politische, wirtschaftliche und soziale Situation in Polen.
Umstritten, geliebt und gehaßt ist der Ortsteil Nowa Huta, die "gottlose Stadt" vor den Toren Krakaus, nach dem "Plan der ehemals jungen geschichtsbildenden Kraft der Arbeiterklasse" geschaffen. 1949 in wenigen Jahren gebaut "nach dem Willen des arbeitenden Volkes", hat Nowa Huta die raumgreifende Perspektive sozialistischer Städte. Dahinter das gigantische Hüttenkombinat mit Produktionsanlagen, Hochöfen, Walzstraßen, ein riesiger industrieller Komplex. Seit 1954 floß der erste Stahl, schon bald mehr als die Hälfte allen polnischen Eisens und Stahls. Wer hier arbeitete, sollte hier auch wohnen, es entstand eine proletarisch-sozialistische Musterstadt mit breiten Straßen, vorbildlichen medizinischen, kulturellen und sozialen Einrichtungen. Der Kampf um die Erlaubnis, in Nowa Huta eine Kirche zu bauen, Wunsch der zutiefst religiösen Arbeiterklasse, dauerte mehr als 20 Jahre. Erst 1977 weihte der jetzige Papst Johannes Paul II., damals Kardinal Woityla, die berühmte Arka-Kirche ein, die an die Arche Noah erinnert. Sie wurde zum zentralen Ort des Protestes gegen die kommunistische Herrschaft. Den Arbeitern von Nowa Huta, der Danziger Lenin-Werft und in den Kattowitzer Kohlegruben, ihnen ist es zu verdanken, dass der Sozialismus sowjetischer Prägung zu Fall gebracht wurde. 1988 ließ der Staat Panzer auffahren in der proletarischen Musterstadt und hat auch hier seine Glaubwürdigkeit endgültig verloren. 250.000 Menschen wohnen in Nowa Huta, Teile des Industriekomplexes sind stillgelegt, große Arbeitslosigkeit herrscht.
Einer der Kritiker war der Krakauer Regisseur Andrzej Wajda, der das künstliche System der Roten Armee in "Asche und Diamant" verfilmte nach dem Roman von Jerzy Andrzejewski, bekannt auch bei uns.
Eine andere fremde Welt: Kazimierz, das jüdische Viertel. Friedlich sieht es aus, Relikte jüdischer Kultur, mit einem Museum für jüdische Geschichte, neuen Synagogen, jüdischen Kaffeehäusern und Klezmer auf dem Programm, Musik, zu deren Klängen Juden bei Hochzeiten und anderen glücklichen Anlässen tanzten. Über 60.000 Juden lebten in Krakau, als die Nationalsozialisten 1939 einmarschierten, es brannten die Synagogen. Nach Podgorze wurden sie in das Ghetto "umgesiedelt", nach Auschwitz und Birkenau - von gnadenlosen Deutschen ermordet, vergast, erschossen, verbrannt.
Entsetzen und Sprachlosigkeit in der gesamten Gruppe - gelesen, gehört, gelernt in der Schule, eigene Familienangehörige dort verloren - als wir das Kon-zentrationslager Auschwitz, das "Laboratorium der Gewalt" erreichten. Hier das Grauen sichtbar und fühlbar. Zynische Worte, "Arbeit macht frei" über dem Eingang, dahinter 28 Baracken, gespenstische Dokumentationen, Hunderte von Erfassungsfotos, Gegenstände. Birkenau, zentrales Vernichtungslager mit Gaskammern und Krematorium, Liquidation durch Zyklon B. IG Farben, Bayer, Hoechst, BASF verdienten daran.
Wir erfuhren, dass heute wieder 200 Juden in Krakau leben. Kazimierz soll sich wieder zum religiösen Zentrum der Juden entwickeln, zu einer lebendig jüdischen Stadt - angesichts des Grauens nicht vorstellbar, aber sie läßt eine internationale Gemeinsamkeit erahnen, die über die staatlichen und nationalen Grenzen hinausweisen.
Wir besuchten die Internationale Jugend-Begegnungsstätte Oswiecim/Auschwitz, die 1986 als Bildungseinrichtung dank der Einsatzbereitschaft vieler Menschen und Institutionen aus Deutschland und Polen entstand, mit Menschen, die an dem Prozeß der deutsch-polnischen Versöhnung und der christlich-jüdischen Zusammenarbeit beteiligt waren. Einen nicht unwesentlichen Beitrag hat auch das Land Bremen geleistet. Wir erfuhren, daß diese Stätte ein Ort der Überwindung von Barrieren und Vorurteilen, der Reflexion und des Dialogs, aber auch des Spiels und der Erholung ist. Die Arbeit der IJBS beruht auf zwei Prämissen: Auschwitz war eine zu schmerzliche Erfahrung für die Menschheit, als daß man sie vergessen könnte. Aus der Geschichte lassen sich für die Zukunft von uns allen Lehren ziehen: durch gegenseitiges Kennenlernen und Beschäftigung mit der Geschichte können Ängste, Vorurteile und Feindseligkeiten abgebaut werden. In den Programmen werden die Teilnehmer von deutschen und polnischen Pädagogen begleitet. Die Bildungsstätte ist Teil des Stadtlebens Oswiecim und Ziel von Jugendlichen und Erwachsenen aus der ganzen Welt.
Krakau und die Menschen dort kennen zu lernen, als unbestritten kulturelles Zentrum Polens und als europäischste aller polnischen Städte, bedeutet: eine Welt zu gewinnen.
Barbara Matuschewski
Auf den Spuren von Günter Grass
Oft und von vielen Seiten wurde der Wunsch geäußert, ein zweites Mal in unsere Partnerstadt zu fahren, nachdem die Bürgerreise 2001 so viel Anklang gefunden hatte. Damals riefen wir auf mit dem Satz "Wer fährt mit nach Danzig?" Und heute istīs genau so: Unter dem obigen Motto soll im nächsten Jahr eine solche Reise stattfinden. Geplant ist eine Fahrt mit dem Autobus, mit jeweils einer Zwischenübernachtung auf der Hin- bzw. Rückfahrt. In Danzig überlassen wir uns der sachkundigen Führung von Fachleuten, um die Stadt des Günter Grass in seinen Romanen kennen zu lernen. Gedacht ist auch an zwei größere Ausflüge, nämlich nach Leba, zu den unvergleichlich schönen Wanderdünen im Slowinski-Nationalpark, der auch von der UNO als Biosphärenreservat ausgewiesen wurde, und nach Ostroda/Osterode, um von dort mit dem Schiff eine Fahrt auf dem Oberländer Kanal zu machen. Termin wäre etwa 15. bis 22. Juni, in einer Jahreszeit also, wo auch ein Sprung in die Ostsee gewagt werden könnte. Wenn sich genügend Teilnehmer gemeldet haben, kann über Preis und alles andere gesprochen werden.
Bitte melden Sie sich bald unter den bekannten Adressen an, Sie wissen, dass solche Reisen einen größeren Vorlauf erfordern.
V. i. S. d. P. Reinhold Stiering, Brokmerländer Str. 12 - 28259 Bremen - Tel. 51 36 61 - Fax 51 43 663
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