Rundschreiben Nr. 4 - Dezember 2002
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde!
In einem Festakt anlässlich des 300-jährigen Bestehens der Universität Breslau sagte Bundespräsident Rau in der Aula Leopoldina vor kurzem, dass Polen in wenig mehr als einem Jahr Mitglied der Europäischen Union sein werde. Dann werde die gute Zusammenarbeit, die sich zwischen beiden Ländern seit der Überwindung der Teilung Europas entwickelt habe, unter einem europäischen Dach noch enger und vertrauensvoller werden.
Er sagte weiter wörtlich: "Das bedeutet nicht, dass wir uns dann zurücklehnen können. Gute Nachbarschaft muß gepflegt werden. Alte Klischees, Stereotype und Vorurteile müssen weiter abgebaut werden. Wir wissen noch immer viel zu wenig voneinander. Umfragen zeigen, dass das Interesse am östlichen Nachbarn in Deutschland nachlässt. Das bedaure ich sehr. Dagegen muß man etwas tun."
20 Jahre Deutsch-Polnischer Chor Bremen
Frieden - Pokoj, Versöhnung - Pojedna ! "Verleih` uns Frieden" klang es ausdrucksstark und aus vollem Herzen aus der Oberen Rathaushalle - als wenn es die ganze Welt hören sollte!
Miteinander sangen sie: der Danziger Lehrerchor, der Deutsch-Französische Chor, der Polnisch-Deutsche Chor und der Deutsch-Polnische Chor mit dem Kammerorchester Horn-Lehe.
Alle waren sie gekommen zum Jubiläumskonzert des Deutsch-Polnischen Chores, anläßlich des 20. Jahrestages der Gründung und des Engagements, alle die in deutsch-polnischer Freundschaft mit den Menschen, der Musik und deren Intensität sich verbunden fühlen: polnische Gäste aus Gdansk, Vertreter der Polnisch-Deutschen Gesellschaft Gdansk, Vertreter der Landesregierung, des Senats und der offiziellen polnischen Vertretungen, der relevanten zivilgesellschaftlichen Gruppen in Bremen, viele hier lebende Polen, Bremer Bürgerinnen und Bürger.
Ein reiches Repertoire erfüllte die Zuhörer: Lieder deutscher und polnischer Komponisten, von Variationen über Schubert, W. A. Mozart, F. Mendelssohn-Bartholdy und J. Haydn bis J. K. Lasocki, Passereau, B. Lallement, E. Fabrez und St. Moniuszko.
"Wir wollen Brücken bauen, viele einzelne Menschen erreichen und sie für die Friedensarbeit gewinnen. Dafür ist die Musik bestens geeignet", sagte der Leiter des Deutsch-Polnischen Chores Rochus Salanczyk, der auch das Lied "Miteinander - Wspolnie" komponierte.
Welche vielfachen selbstverständlichen Beziehungen es unter den Menschen verschiedener Nationalität gibt, wieviel Interesse und Neugier an den Fähigkeiten jedes Einzelnen zu entdecken sind, das zeigte sich auch beim anschließenden Empfang im Rathaus genau so wie im Besuchsprogramm der ganzen Woche.
Es entspräche dem europäischen Zeitgeist, wenn es mehr Gelegenheiten gäbe für Begegnungen, Dialoge und kulturstiftende Identitätsmomente solcher Farbigkeit: offen, fröhlich, feinsinnig, lebenszugewandt.
Dank aus Krakau
Vor kurzem erreichte uns ein Brief aus Krakau von Malgorzata Kozlowska, den wir ohne jeden weiteren Kommentar Ihnen zur Kenntnis geben:
"Ich glaube, ich muß mich erst mal kurz vorstellen und ein paar Worte zu meiner beruflichen Tätigkeit sagen. Ich unterrichte Deutsch im Institut für den Studienbegleitenden Fremdsprachenunterricht der Universität in Krakau. Dazu ein kurzer Kommentar: Alle Studenten in Polen lernen - neben ihren Hauptfächern - mindestens eine Fremdsprache. Am häufigsten ist es die Sprache, die sie schon im Gymnasium gelernt haben, aber manchmal wählen sie auch eine andere. Die meisten lernen jetzt Englisch, Deutsch ist aber die zweitpopulärste Sprache - und so betreuen wir (ich und meine 15 Kollegen Germanisten) fast 3000 Studenten. Viele haben noch große sprachliche Defizite, die meisten sind aber willig und ihre Motivation ist auch groß. (Viele reisen doch oft nach Deutschland, viele möchten dort auch weiter studieren.) Was für mich als Lehrer also von größter Bedeutung ist, sind neben den guten Lehrbüchern auch interessante, authentische, aktuelle Texte. Und da hatte ich Glück!
Seit einigen Jahren habe ich die Möglichkeit, mich mit Touristen zu treffen, die Krakau besuchen und sich auch für unser Schulsystem, unsere Universität und polnische Studenten interessieren. Und so habe ich voriges Jahr einige Mitglieder der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Bremen kennen gelernt. Wir haben uns sehr lange über unsere Studenten und unsere Probleme unterhalten. Das war sehr schön. Und am Ende kam noch ein tolles Angebot dazu: Die Teilnehmer der Bremer Reisegruppe schenkten mir und meinen Studenten ein Jahresabonnement einer deutschen Zeitschrift. Diese für uns so große Hilfe kommt jetzt alle zwei Wochen (pünktlich!) an. Es ist nicht nur faszinierende Lektüre für mich, sondern auch ein tolles Unterrichtsmaterial. Es gibt Texte zu jedem Thema, von unterschiedlicher Länge und differenziert, was den Schwierigkeitsgrad betrifft. Kurzum - für jede Studentengruppe etwas. Und alles interessant und aktuell. Für den Deutschunterricht also eine unschätzbare Hilfe, für die ich den Bremern sehr dankbar bin."
Vierteilige Dokumentation "Deutsche und Polen"
Die ARD geht zur Jahreswende der deutsch-polnischen Geschichte nach. Die vom Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg (ORB) produzierte Chronik schildert im "Ersten" mehr als 1000 Jahre Vergangenheit östlich und westlich der Oder - von der Gründung der polnischen Nation bis zu Willy Brandts Kniefall in Warschau und der Anerkennung der Oder-Neiße Grenze. Der rund 180 Minuten lange Vierteiler ist die erste umfassende Darstellung der Geschichte von Polen und Deutschen im Fernsehen. Sendetermine sind der 30. und 31. Dezember sowie der 2. und 3. Januar 2003, jeweils 15.15 Uhr.
Zwischen zwei Kulturen
Eine Lesereihe mit jungen polnischen Schriftstellern, die in Deutschland leben, beginnt am Mittwoch, dem 11. Dezember, um 20 Uhr im Janusz-Korczak-Haus, Osterdeich 6. Veranstalter sind neben unserer Gesellschaft die Forschungsstelle Osteuropa, das Literaturkontor Villa Ichon, die Landeszentrale für Politische Bildung, die Ausländerbeauftragte des Landes Bremen und die Heinrich-Böll-Stiftung. Polnische Autorinnen und Autoren werden vorgestellt, die seit den 80er Jahren in Deutschland leben, in deutscher und polnischer Sprache schreiben und publizieren. Ihre bevorzugten Themen sind nicht nur Probleme der Migration und die Auseinandersetzung mit der Ankunftsgesellschaft. Sie präsentieren auch Welt-modelle, in denen europäische und globale Inhalte aufgegriffen werden.
Den Anfang macht Artur Becker, der 1968 in Bartoszyce in Nordpolen geboren wurde und seit 1985 in Verden lebt. Seine Geschichten spielen in den achtziger und neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts, diesseits und jenseits der Grenze zwischen Ost und West.
Die Lesereihe wird fortgesetzt am 22. Januar 2003 mit Dariusz Muszer, am 19. Februar 2003 mit Natasza Goerke und am 19. März 2003 mit Krzysztof Niewrzéda. Alle Lesungen sind im Janusz-Korczak-Haus und beginnen um 20 Uhr.
Glückliche Kinder in den Bergen - "Ferien vom Heim"
"Im Namen der Kinder unseres Heimes übermittle ich unseren herzlichen Dank an die Gesellschaft. Die Jugendlichen haben sich im Bieszczasy-Gebirge auf der Wandertour wunderbar erholt und dabei die Schönheit der polnischen Bergwelt kennen gelernt. Solchen Initiativen wie dieser ist es zu verdanken, dass Heimkinder sich während der Ferien aktiv erholen können" schreibt uns die Leitung des Kinderheims in Gdansk-Orunia.
Dringende Hilfe nötig
Ende Oktober/Anfang November war unser Vorstandsmitglied Reinhold Stiering in Danzig, um die Reise "Auf den Spuren von Günter Grass" vorzubereiten. Neben vielen anderem hat er auch wieder einige Kinderheime besucht, denen Hilfe zuteil werden soll. Darauf werden wir im kommenden Jahr in einem gesonderten Schreiben zurückkommen.
Jetzt schon allerdings bitten wir Sie um Ihre Hilfe. Das Familien-Kinderheim der Stiftung "Familie der Hoffnung" in Gdansk-Oliwa hat großen Bedarf an Mädchen- und Jungenbekleidung. Der Leiter des Hauses schilderte Stiering die Lage so: "In unserem Haus wohnen zur Zeit 26 Kinder aus pathologischen Familien im Alter von 5 bis 19 Jahren. Das sind Kinder, die in ihren richtigen Familien nicht geliebt und nicht akzeptiert werden. Für solche Kinder haben wir dieses Haus geschaffen. Wir sind in großem Maße auf Spenden von Menschen angewiesen, denen das Schicksal dieser leidgeprüften Kinder, die kein eigenes Zuhause haben, nicht gleichgültig ist."
Benötigt wird:
- Mädchenbekleidung für die Altersgruppe von 5 bis 19 Jahren
- Jungenbekleidung für die Altersgruppe von 11 bis 19 Jahren
- Schuhe für Mädchen und Jungen
- Toilettenartikel
- Bettwäsche
Sie können Ihre Spende im Janusz-Korczak-Haus, Osterdeich 6, abgeben in der Zeit von 10.00 bis 13.00 Uhr und 14.00 bis 16.00 Uhr, montags bis freitags. Darüber hinaus auch bei Reinhold Stiering, Brokmerländer Straße 12, Telefon (04 21) 51 36 61. In Ausnahmefällen können wir die Sachen auch bei Ihnen zu Hause abholen.
Schon jetzt bedanken wir uns bei Ihnen für Ihre Mithilfe.
Glückwunsch an Danzigs Stadtpräsidenten
Der neue ist auch der alte: Das Stadtoberhaupt unserer Partnerstadt hat es geschafft: Bei den Stichwahlen am 10. November erhielt Pawel Adamowicz die meisten Stimmen. Die Bürger wissen die Geschicke der Stadt wie bislang auch weiterhin in guten Händen. Die Deutsch-Polnische Gesellschaft Bremen wünscht dem Schiff Danzig und seinem Kapitän immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und allzeit gute Fahrt!
Unseren Mitgliedern, Freunden und Förderern
wünschen wir eine gesegnete Weihnacht
und ein gutes und friedvolles Jahr 2003
V. i. S. d. P. Reinhold Stiering, Brokmerländer Str. 12 - 28259 Bremen - Tel. 51 36 61 - Fax 51 43 663
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