Janusz-Korczak-Haus Deutsch-Polnische Gesellschaft Bremen e. V.

Janusz-Korczak-Haus - Osterdeich 6 - 28203 Bremen

 
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Das Archiv - Rundbriefe

Rundschreiben Nr. 1 - Januar 2003



Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde!

Im Mai wird Polens Präsident Kwasniewski einen Brief an alle Polen verschicken lassen. Nach Berichten der polnischen Nachrichtenagentur PAP wird das Schreiben neben einer EU-Broschüre auch einen Aufruf zur Teilnahme am EU-Referendum im Juni enthalten. Aus dem Präsidentenkreis hieß es dazu, daß der "Brief an die Nation" zusammen mit den öffentlichen Auftritten Kwasniewskis das wichtigste Element der präsidialen EU-Kampagne darstelle. Das polnische Staatsoberhaupt wird bis Juni, dem Termin des entscheidenden Votums des polnischen Volkes über "Europa ja oder nein", in jeder der 16 Woiwodschaftshauptstädte an einer Werbeveranstaltung teilnehmen. Man sieht, daß noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden muß. Es geht darum, den Menschen klar zu machen, daß der EU-Beitritt wirklich der Anfang einer besseren Zukunft ist, wie viele polnische Politiker überzeugt sind.



Der erste Urlaub

Vielleicht erinnern Sie sich: Im letzten Rundschreiben berichteten wir, welch große Freude und Zustimmung die erste Hilfsaktion aus unserem Fonds "Hilfe für polnische Kinder" für ein polnisches Kinderheim gefunden hat. "Ferien vom Heim" - unter diesem Motto ist einer Gruppe von Kindern ein Urlaub in den Bergen ermöglicht worden. Jetzt erreichte uns der Brief eines Mädchens, das an dieser Fahrt teilgenommen hat. Für sie ist es der erste Urlaub gewesen. Sie schreibt:

"Mein Name ist Karolina Szamocka. Ich besuche die 5. Klasse und bin 11 Jahre alt. Im August des letzten Jahres war ich zum ersten Mal im Bieszczady-Gebirge. Wir wanderten dort von Herberge zu Herberge; denn es war ein Wanderlager. Wir waren tagelang unterwegs, an Biwakplätzen bereiteten wir unsere Mahlzeiten und abends suchten wir zum Schlafen eine Herberge auf.

Mein spannendstes Erlebnis hatte ich am vorletzten Tag des Lagers in Koliba. Das ist eine sehr schöne Herberge, gelegen am Eingang zur Polonina Carynska. Von dort kann man die höchsten Erhebungen des Bieszczady-Gebirges sehen. Als wir die Herberge erreichten, herrschte ein wunderschönes Wetter. Wir entzündeten darum ein Lagerfeuer, an dem wir Würstchen grillten. Ein großer fahlgelber Hund kam zu uns ans Lagerfeuer. Es war eine Hündin, sie hieß Pika. Natürlich gab ich ihr ein Stück Wurst ab, und von diesem Moment an folgte sie mir auf Schritt und Tritt und passte auf, dass mir nichts passiert.

Die Herbergseltern hielten sich Ziegen. Pika spielte mit den Ziegen, jagte sie hinter die Umzäunung und wollte, dass ich mitspiele. Wenn es Schlafenszeit war, legte sie sich vor die Türschwelle meines Zimmers und schlief dort die ganze Nacht.

Weil es nachts geregnet hatte, war es morgens neblig. Man konnte nicht einen Schritt weit sehen und musste genau aufpassen, wo man hintrat. An diesem Tage konnten wir nicht in die Berge hinauswandern, denn der Wetterbericht hatte einen Wetterumschwung vorausgesagt. Wir beschlossen deshalb, nach Ustynki Gorne zum Einkaufen zu gehen, weil unsere Lebensmittelvorräte erschöpft waren. Der Weg führte uns 8 Kilometer durch den Wald. Es war sehr neblig, so dass wir uns verirrten und es schwer war, im Nebel den richtigen Weg zu finden. Da hörte ich ein Bellen. Pika hatte uns gefunden und führte uns in das Städtchen und danach auch zurück zur Herberge. Die Herbergsmutter erzählte uns später, dass Pika schon viele Male verirrte Touristen geholfen hatte."



Literaturreihe "Zwischen den Kulturen"

Die Deutsch-Polnische Gesellschaft Bremen setzt in diesem Jahr in Kooperation mit der Forschungsstelle Osteuropa, des Literaturkontors Villa Ichon, der Landeszentrale für politische Bildung, der Ausländerbeauftragten des Landes Bremen, der Heinrich-Böll-Stiftung und der Bremer Osteuropa Hilf e. V. die erfolgreiche Lesereihe mit jungen polnischen Schriftstellern fort.

Bisher wurden einmal im Monat polnische Autoren und Autorinnen vorgestellt, die in deutscher und polnischer Sprache schreiben und publizieren: Artur Becker, Dariusz Muszer, Natasza Goerke. Ihre bevorzugten Themen sind nicht nur die Probleme der Migration und die Auseinandersetzung mit der Ankunftsgesellschaft. Sie präsentieren auch Weltmodelle, in denen europäische und globale Inhalte aufgegriffen werden: Das Leben in zwei Kulturen vor dem Hintergrund der europäischen Integration und der EU-Osterweiterung, Probleme des Alltags, Konflikte und die Suche nach Lösungen. Die nächste Lesung findet statt am Mittwoch, dem 19. März, um 20 Uhr im Janusz-Korczak-Haus, Osterdeich 6. Krzysztof Niewrzeda liest aus dem Roman Poszukiwanie calosci. Moderation: Katarzyna Rogacka.



Erinnerung an den Warschauer Aufstand

Vom 3. bis 28. April 2003 wird im Staatsarchiv die Ausstellung "Oneg Shabbat" zu sehen sein. Auf Vorschlag und mit Unterstützung des Generalkonsulats der Republik Polen ist die DPG Bremen in der glücklichen Lage, diese Dokumentation aus dem Ringelblum-Archiv des Zydowski Instytut Historyczny Warschau in Bremen zeigen zu können.

"Oneg Shabbat" war der Codename für die geheime Archivgruppe im Warschauer Ghetto, die ihre Sitzungen am Sabbat abhielt. Ihre Mitglieder versuchten, Dokumente über die Zwangsverschickungen und die Vernichtung der Juden zu erhalten und sie notierten Tätigkeiten im Ghetto. Zwei aus drei Archiven, in Milchkrügen vergraben, wurden gefunden. Anläßlich des 60. Jahrestages des Aufstandes im Warschauer Ghetto am 23. April 1943 bekommt die Ausstellung dieser Dokumente des Jüdischen Untergrund Archivs eine besondere Bedeutung.



Wie uns Karikaturisten sehen

Eine weitere Ausstellung wird vom 5. bis 21. Mai 2003 die Karikaturen-Ausstellung "Nachbarn" sein. Im Bremer Presseclub werden 60 Exponate zu sehen sein, während die Stadtbibliothek im Schüsselkorb in Kooperation 20 Exponate zeigt. Ein Katalog (Kerber Verlag) liegt bei der Eröffnung vor. Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft des Präsidenten der Bremischen Bürgerschaft Christian Weber.

Polnische Karikaturisten sehen Deutschland, deutsche Karikaturisten Polen. In den Originalzeichnungen werden die deutsch-polnischen Beziehungen im Spiegel der Karikatur dargestellt, um mit Humor und Nachdenklichkeit zur kritischen Selbst- und Fremdbetrachtung aufzurufen.. Seit Mitte 2001 ist die Karikaturen-Ausstellung "Nachbarn" unterwegs. Sie wurde bisher in Leipzig, Berlin, Warschau, Gleiwitz, Münster, Darmstadt, Kiel und Hamburg gezeigt.



Jahreshauptversammlung

Sie werden es sich gewiß nicht entgehen lassen wollen, den Bericht des Vorstandes auf der Jahreshauptversammlung zu hören, das heißt, sich über die vielen Aktivitäten des vergangenen Jahres und über die geplanten Vorhaben unserer Gesellschaft zu informieren. Dazu haben Sie Gelegenheit am Mittwoch, dem 26. März, um 19 Uhr im Janusz-Korczak-Haus. Auch wird unser Vorstandsmitglied Reinhold Stiering über das Projekt "Hilfe für polnische Kinder" in Form eines kurzen Dia-Vortrages berichten...



Danzig-Reise

Schon jetzt machen wir auf einen Termin für die Teilnehmer der Reise nach Danzig "Auf den Spuren von Günter Grass" aufmerksam. Am Mittwoch, dem 2. April, ist ein Vorbereitungstreffen um 19 Uhr im Janusz-Korczak-Haus am Osterdeich 6.



Besuch von unseren Nachbarn in Stuhr

Jeder Bremer kennt unsere Nachbargemeinde in Stuhr, aber nur wenige - auch unter Ein-geweihten - wissen vom "Freundschafts- und Förderverein Stuhr-Ostrzeszów". Der wurde von einiger Zeit von Stuhrer Bürgern gegründet und unterhält eine Partnerschaft mit der polnischen Gemeinde Ostrzeszów in Wielkopolska. Der Ort (das frühere Schildberg) liegt ca. 80 km nordöstlich von Wroclaw und hat etwa 23000 Einwohner. Kürzlich nun trafen sich der Vorstand unserer Gesellschaft mit einer Delegation der Stuhrer Nachbarn im Janusz-Korczak-Haus, um gemeinsame Anliegen zu besprechen. Die Gäste mit ihrem Vorsitzenden Lutz Hollmann und den weiteren Vorstandsmitgliedern Rolf Meyer, Margarete Rymon-Lipinski und Gudrun Klintworth zeigten sich beeindruckt von der Leistungsstärke und den vielfältigen Aktivitäten der DPG Bremen und werden gern auf die von den Bremern angebotene Hilfestellung zurückkommen. So kam man überein, gemeinsam Ausstellungen zu veranstalten oder schon in Bremen gezeigte für Stuhr zu übernehmen bzw. umgekehrt, bei der Unterbringung von Studenten oder Praktikanten behilflich zu sein, um nur einige Beispiele der möglichen Zusammenarbeit zu nennen. Der Vorstand des Fördervereins wird seinen ca. 35 Vereinsmitgliedern über das Treffen berichten, um damit die gute Arbeit der DPG Bremen für die Pflege der deutsch-polnischen Beziehungen auch in Stuhr und Umgebung bekannter zu machen. Darüber hinaus will man auf der Web-Site ein Link setzen, der über Bremer Veranstaltungen und Vorhaben informiert. Zu erreichen sind unsere neuen Stuhrer Freunde unter der Adresse http://www.ffvso.de/. Wir wünschen uns und unseren Nachbarn eine weitere gedeihliche Zusammenarbeit.



Freiwillige Feuerwehr Goleniow

Adressiert war ein Schreiben an den "Deutsch Polnischen Freundschaftsverein e. V. Bremen". Die Deutsche Post fand den richtigen Adressaten. Es war die Deutsch-Polnische Gesellschaft Bremen. Nur etwas außergewöhnlich war die Bitte, die an uns herangetragen wurde. Man schrieb:

"Der Vorstand des Stadt und Gemeindeverbandes der freiwilligen Feuerwehren Polens in Goleniow wendet sich an Sie mit der Bitte, ausgemusterte Feuerwehrfahrzeuge oder Zubehör der Feuerwehr Bremen uns zu überlassen. Nach unseren Informationen ist ihr Verein auf diesem Gebiet erfolgreich tätig."

In der Tat haben wir vor langer Zeit der Feuerwehr in Zukowo mit einem Signalhorn helfen können. Es ehrt uns, dass sich das bis nach Westpommern herumgesprochen hat. Aber ausgemusterte Feuerwehrfahrzeuge?

Oder gibt es unter unseren Mitgliedern solche, die entsprechende Verbindungen haben?



Der Deutsch-Polnische Chor will helfen

Ein Wohltätigkeitskonzert zu Gunsten der Aktion "Hilfe für polnische Kinder" veranstaltet der Deutsch-Polnische Chor zusammen mit der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Bremen am Sonntag, dem 29. Juni, um 16.30 Uhr im Konzertsaal der Waldorfschule in der Touler Str. 3. Weitere Mitwirkende sind der Neustädter Shanty-Chor, der Frauen-Singkreis Bremen, der Bremer Männerchor 62 / "Gutenberg" und die Jugendband der polnischen katholischen Mission Bremen.



Neuerscheinungen

"Kommerz, Kunst, Unterhaltung" - Die neue Popularkultur in Zentral- und Osteuropa, Konzeption und Redaktion: Ivo Bock, Wolfgang Schlott, Hartmute Trepper, Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen; Edition Temmen. - "Analysen zur Kultur und Gesellschaft im östlichen Europa", herausgegeben von Wolfgang Eichwede, Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen. - "Mercedes Benz" von Pawel Huelle, aus dem Polnischen von Renate Schmidgall, Verlag C. H. Beck. Das Buch ist ein hinreißend geschriebener, komischer, trauriger und kluger Roman. Ein wunderbares Buch der Liebe, eine Hommage an Fräulein Ciwle und den 170er des Großvaters...






V. i. S. d. P. Reinhold Stiering, Brokmerländer Str. 12 - 28259 Bremen - Tel. 51 36 61 - Fax 51 43 663

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