Janusz-Korczak-Haus Deutsch-Polnische Gesellschaft Bremen e. V.

Janusz-Korczak-Haus - Osterdeich 6 - 28203 Bremen

 
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Das Archiv - Rundbriefe

Rundschreiben Nr. 2 - Juni 2003



Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde!

In dieser Zeit, vor der Abstimmung der polnischen Bürger, dem Referendum über den Beitritt Polens in die Europäische Union, wird das Bewußtsein einer europäischen Werte- und Interessengemeinschaft bei unterschiedlichen nationalen Interessen immer deutlicher und als Herausforderung und Chance erlebt.

Die Unterteilung in ein "altes" und "neues" Europa, ist dabei wenig hilfreich, denn eine lange und reiche Geschichte und große Tradition haben sowohl Frankreich als auch Polen und Deutschland. Gerade die Irak-Krise hat gezeigt wie wichtig es ist, Wege der friedlichen Konfliktlösung zu finden, gemeinsame Positionen zu suchen und sich auf gemeinsame Aufgaben, bei unterschiedlichen historischen Erfahrungen und Sicherheitsbedürfnissen, zu verständigen.

Das bedeutet Intensivierung des Dialoges in Europa: wir müssen europäische Antworten auf die Fragen finden, wie denn eine solidarische europäische sozialstaatliche Gemeinschaft erhalten und weiterentwickelt werden kann, wie Verteilungs- und Generationsgerechtigkeit, europäische Beschäftigungs-, Wachstums-, und Struktur- und Friedenspolitik gefördert wird.

Den zivilgesellschaftlichen Gruppen und Gesellschaften wächst die Aufgabe zu, die Verständigung unter den Menschen zu fördern, weiter zu entwickeln was uns verbindet, nicht was uns trennt und europäisch zu denken und zu handeln: freundschaftlich und nachbarschaftlich in Form gegenseitiger Achtung und Begegnung.



Nachbetrachtung zweier Ausstellungen

In Kooperation mit dem Generalkonsulat der Republik Polen in Hamburg organisierte die Deutsch-Polnische Gesellschaft Bremen die Ausstellung "Oneg Schabbat" mit einem inhaltlichen Begleitprogramm im Staatsarchiv Bremen. Besonders viele Jugendliche, Studenten und Schulklassen sowie ältere Menschen besuchten die Ausstellung, den Film "Korczak" von Andrzej Wajda und die Lesungen.

Der Aufstand im Warschauer Getto am 23. April 1943 - also vor 60 Jahren - widerlegt die Legende, die behauptet, daß sich die europäischen Juden gegenüber dem Nazi-Terror fügsam verhalten hätten. Tatsächlich gab es fast in jedem Getto im von den Nazis besetzten Osteuropa Widerstandsorganisationen. Obwohl es unmöglich war, gab es den Widerstand der Juden, trotz alledem! Der bewaffnete Kampf im Warschauer Getto und Tausende mutige Taten jüdischer Partisanen beweisen, daß dieser Widerstand sehr wohl geleistet wurde. "Zum Kampf auf Leben und Tod" hält Arno Lustiger in seinem Buch vom jüdischen Widerstand uns dieses vor Augen.

Vorbereitet war die Ausstellung vom Jüdischen Historischen Institut Warschau, in dessen Besitz sich das Ringelblum-Archiv befindet. In Anerkennung des außergewöhnlichen Wertes dieser Zeugnisse setzte das UNESCO-Komitee diese Sammlung auf die Liste "Memory of the World".

Die Exponate veranschaulichen ein Spektrum von Materialien sowohl des Lebens und Sterbens im Getto als auch der Mechanismen des Holocaust. Es werden die Anstrengungen der jüdischen Untergrundbewegung deutlich, Ziel und Umfang der nationalsozialistischen Judenpolitik zu erkennen und alarmierend zu berichten.

Im Untergrund werden Aufzeichnungen über die Deportationen und Vernichtung der Juden gesammelt; Niederschriften von Zeugenaussagen zu den Ereignissen im Warschauer Getto, den jüdischen Widerstand und die Selbstbehauptung der polnischen Juden, um die westlichen Alliierten und die Weltöffentlichkeit zu informieren. Unter Einsatz ihres Lebens versteckten die Widerstandskämpfer die Dokumente und Archivmaterialien an verschiedenen Stellen: in metallenen Behältern und Milchkannen. 1946 wurden sie in den Ruinen des Gettos gefunden: Verwaltungsdokumente, eine große Sammlung der Untergrundpresse, literarische Werke, Zeichnungen, Fotografien, Ausweise, Bescheide zur Zwangsarbeit, Lebensmittelkarten und vieles andere mehr.



Lucille Eichengreen, Bgm. Perschau, Genralkonsul Kremer, Rainer Nalazek

Unser Bild zeigt Lucille Eichengreen, die zur Eröffnung der Ausstellung "Oneg Schabbat" eigens aus Kalifornien angereist war, im Kreise von Bürgermeister Perschau, dem polnischen Generalkonsul Kremer und Rainer Nalazek.



Im Warschauer Getto vegetierten mehr als eine halbe Million Männer, Frauen und Kinder, von denen die meisten in den Gaskammern von Treblinka umkamen. Darunter auch Janusz Korczak, 1878 als Henryk Goldszmit in Warschau geboren, Schriftsteller vieler Kinderbücher und Sendungen von Radio Warschau, Arzt und Pädagoge. Im Warschauer Getto leitete er das Waisenhaus und ging zusammen mit den Kindern und den Erziehern in die Gaskammer. In Bremen wurde das Haus Osterdeich 6, Sitz der Deutsch-Polnischen Gesellschaft und der Landeszentrale für politische Bildung, 1975 nach ihm benannt.

Für emotionale und intellektuelle Denkanstöße war die zweite Ausstellung geeignet: Polnische Karikaturisten sehen Deutsche - deutsche Karikaturisten sehen Polen: und was die beiden Nationen so sehen, wenn sie sich ansehen, konnte in einer Ausstellung "Nachbarn" im Mai 2003 nachgesehen werden, die unsere Gesellschaft nach Bremen holte. 21 Karikaturisten haben sich mit 80 Zeichnungen beteiligt, die im Bremer Presse-Club im Schnoor und in der Stadtbibliothek Schüsselkorb ausgestellt wurden. Diese komische, nachdenkliche und sehenswerte Schau konfrontiert Deutsche und Polen spiegelbildlich mit ihren Schwächen und Besonderheiten, dokumentiert aber auch den Fortschritt der deutsch-polnischen Beziehungen.

Bei der Eröffnung stellte Christian Weber, Präsident der Bremischen Bürgerschaft und Schirmherr dieser Ausstellung, den zeitdokumentarischen Charakter heraus, die Geschichte und wirksame Geschichten bieten und in ihrem kritischen basisnahen Duktus eine Fortsetzung finden sollten - für das bessere gegenseitigeVerstehen.




Was ist denn eigentlich Widerstand?

Einen Laib Brot zu schmuggeln - war Widerstand
Im geheimen zu unterrichten - war Widerstand
Warnungen auszusprechen und Illusionen zu zerstören - war Widerstand
Eine Thora-Rolle zu retten - war Widerstand
Ereignisse aufzuschreiben und Aufzeichnungen zu verstecken - war Widerstand
Mit den Eingeschlossenen in Verbindung zu treten - war Widerstand
Mit Waffen in Straßen, Bergen und Wäldern zu kämpfen - war Widerstand
In Todeslagern eine Rebellion vorzubereiten - war Widerstand
In Gettos sich unter einstürzenden Mauern bei einem äußerst hoffnungslosen Aufstand zu erheben - war Widerstand

(aus Wladyslaw Szpilman "Smierc Miasta", übersetzt "Das wunderbare Überleben",
Warschauer Erinnerungen, 1939-1945, Econ)



Wohltätigkeitskonzert

Ein Wohltätigkeitskonzert zu Gunsten der Aktion "Hilfe für polnische Kinder" veranstaltet der Deutsch-Polnische Chor Bremen am Sonntag, dem 29. Juni, um 16.30 Uhr im Konzertsaal der Waldorfschule in der Touler Strasse 3. Weitere Mitwirkende sind der Neustädter Shanty-Chor, der Frauen-Singkreis Bremen, der Bremer Männerchor 62 / "Gutenberg" und die Jugendband der polnischen katholischen Mission Bremen. Da nur wenige Parkplätze vorhanden sind, empfiehlt sich die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel.



Europatag

Bilderbuchhaft wurde der Europatag am 5. Mai 2003 in Bremens guter Stube von morgens früh bis abends spät inszeniert. Strahlende Sonne und blauer Himmel, internationales buntes Miteinander der Menschen zunächst auf dem Marktplatz: zwischen Infoständen der verschiedenen europäischen Organisationen in Bremen, Musik, Malaktionen von Schülern zum Thema Europa, Diskussionen und Interviews mit der Moderation des Funkhauses Europa und großem Zuspruch von Jugendlichen war auch die Deutsch-Polnische Gesellschaft präsent. Materialien über Polen waren sehr gefragt: touristisch, politisch, kulturell, Spezialitäten und Besonderheiten.

Abends dann im Rathaus unter dem Motto "Jugend Macht Europa" ein Kaleidoskop von Tanz und Musik, Theater, Videokonferenz, Diskussionen und Foren, Lesung, Preisverleihung der besten drei Essays unter bremischen Studierenden zum Thema "Noch größer? Gute Argumente für die Erweiterung der Europäischen Union." An Informationsständen wurde beraten vom Jugendaustausch über Studienmöglichkeiten und Praktikumsplätze bis zum Business Contact. Wir konnten mit reichlich Materialien der Universitäten Gdansk, Krakau, Warschau informieren.



Besuch aus Posen

Im Rahmen des europäischen Comenius-Sokrates-Projektes wurde unsere Gesellschaft um Unterstützung beim Besuch einer Delegation polnischer Lehrer gebeten. Eine Schule in Osterholz unterhält zusammen mit drei französischen und einer luxemburgischen Schule Kontakte zu zwei Schulen in Poznan. Innerhalb eines reichen Programms mit Führungen bei Mercedes, Hachez, Becks und einem Rathausempfang wurde von unserer Seite eine Stadtführung in Bremens Innenstadt, ein Besuch der Bremischen Häfen und des Universums durchgeführt. Unser Mitglied Prof. Geiss hat fachkundig und zweisprachig die polnischen Lehrer und Mitglieder der Schulleitung in Bremen begleitet.



Stipendiaten + Abonnement + Spenden

Auch in diesem Jahr wird unsere Gesellschaft wieder zwei jungen Menschen aus Polen die Gelegenheit bieten, in den Sommermonaten während eines Studienaufenthaltes in Bremen ihre deutschen Sprachkenntnisse zu vervollkommnen. Die Kosten für diesen Aufenthalt werden aus einem besonderen Fonds bezahlt. - Das während einer Begegnung zwischen Mitgliedern der DPG und Studierenden der Universität Krakau im letzten Jahr spontan gespendete Abonnement einer deutschen Zeitschrift als Hilfe für das Studium der Germanistik ist von uns um ein weiteres Jahr verlängert worden. - Unterstützung aus dem Bremer Rathaus erhielt unsere Gesellschaft für ihre Spendenaktion "Hilfe für polnische Kinder". Sowohl der Präsident des Senats, Henning Scherf, als auch Bürgermeister Hartmut Perschau bitten die Bürger mit ihrer Unterschrift um Mithilfe. In dem Schreiben heißt es, "daß heute noch unvergleichlich viele Menschen es schlechter haben als wir es uns in Deutschland überhaupt vorstellen können. Deshalb bitten wir um Ihre Hilfe."





Bremer Stadtmusikanten vom Theater 62

Die Bremer Stadtmusikanten vom Theater 62 mit ihren Gästen aus Polen, dem Kindertheater Kaszubskie Nutki aus Banino, bei einem ihrer vielen Auftritte in Bremen. Selbstverständlich waren sie auch im Janusz-Korczak-Haus zu Gast.






Verantwortlich: Reinhold Stiering, Brokmerländer Str. 12 - 28259 Bremen - Tel. 51 36 61 - Fax 51 43 663

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