Deutsch-Polnische Gesellschaft Bremen e. V.
Janusz-Korczak-Haus - Osterdeich 6 - 28203 Bremen |
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Rundschreiben Nr. 3 - September 2003
In seinem Leben kam alles etwas anders. Er hieß Henryk Goldszmit und wurde bekannt als Janusz Korczak. Als Kind jüdischer Eltern fühlte er sich vor allem als Pole. Er wurde ein guter Arzt, aber Ruhm erwarb er als Erzieher und Schriftsteller. Er stammte aus wohlhabendem Hause, hätte in diesen Kreisen Karriere machen können, aber er wandte sich den Waisen und Armenkindern zu, verzichtete auf eigenen Wohlstand. Er hätte leben, dem Getto entfliehen können, aber er ging mit den ihm anvertrauten Kindern ins Gas von Treblinka. Er wollte elternlose Kinder für das Leben rüsten, doch seine letzte Tat war, sie für den Tod zu wappnen. Am 22. Juli 2003 gedachten wir seines Geburtstages vor 125 Jahren.Auf der Reise unserer Gesellschaft nach Danzig im Juni dieses Jahres konnte unser Vorstandsmitglied Reinhold Stiering dem uns verbundenen Heim für behinderte Kinder, das den Namen dieses großen Humanisten trägt, eine Spende von 1000 Euro für lebenswichtige Medikamente überreichen. In ihrer Dankesurkunde schreibt die Leiterin des Hauses: "Sie haben sich als Freunde unserer Kinder erwiesen und ihnen, als Sie um Hilfe gebeten wurden, die hilfreiche Hand ausgestreckt." Polen nach dem Referendum Dr. Stefan Garsztecki, wissenschaftlicher Assistent an der Universität Bremen, referierte im Janusz-Korczak-Haus auf Einladung unserer Gesellschaft vor einem zahlreichen und interessierten Publikum. Polen hat jetzt gewählt und sich mehrheitlich für den EU-Beitritt entschieden. Die Gründe pro Referendum waren im Kern das Abdecken der Arbeitslosigkeit, Eröffnung besserer Perspektiven, Beschleunigung der Wirtschaft und die bessere Position Polens in der Welt. Die Argumente kontra Referendum: Polen wird von ausländischem Kapital aufgekauft, Polen verliert staatliche Souveränität, die polnische Wirtschaft ist zu schwach, die Regelungen und Verhandlungen sind nicht gut, nicht gleichberechtigt, nicht auf Augenhöhe. Aktuelle und aus dem Referendumsergebnis resultierende Positionen sind: Die Transformationsvorstellungen, die sie lange entwickelt haben, wollen die Polen selbst formulieren. Es geht den Polen nach außen um den Platz in der Welt, der innere Diskurs kämpft um den Erhalt des christlichen Erbes, die polnische Kultur, den Erhalt der Kirche und will dem Werteverfall widerstehen. "Polen denken historisch, in Mythen." Das interne Problem ist zudem, daß durch Ministerpräsident Miller eine Minderheitenregierung angeführt wird, aber mit einer Weltmacht Europa gemeinsame Außen- und Verteidigungspolitik vertreten werden soll. Die daraus zu entwickelnden Chancen und Herausforderungen in einer europäischen Gemeinschaft wurden herausgearbeitet: die sehr deutschen Vorstellungen, wie das europäische Modell umgesetzt werden soll, sei das Dilemma. Sie, die Polen, würden nicht gleichberechtigt behandelt, sondern von Deutschen sehr arrogant ("Europa das bin ich"), von Franzosen ziemlich und Briten etwas dominiert. Europäische Fragen könnten nicht mehr über die französisch-deutsche Union funktionieren, sondern es müssten auch "die anderen 10" berücksichtigt werden mit Polen als wichtigstem und größtem Partner, der auch interessant für die USA ist. Die Polen sehen die Europäische Gemeinschaft als Bund möglichst unabhängiger Staaten, die gleichberechtigt behandelt werden. Sie wollen keinen EU-Präsidenten haben, sie wollen im Rahmen von Regierungskonferenzen, der Verfassung der EU und demokratischen Mehrheitsentscheidungen eine regionale Mittelmacht darstellen, nicht das trojanische Pferd in der Europäische Union sein. Ein tolles Ergebnis Zu einem großen Erfolg wurde ein Wohltätigkeitskonzert zu Gunsten des Fonds "Hilfe für polnische Kinder" im Konzertsaal der Freien Waldorfschule Bremen. Großer Dank gebührt den beteiligten Chören, die unserem Schatzmeister die stolze Summe von 1373,13 Euro übergeben konnten. Darüber hinaus erzielten die Mitglieder des Deutsch-Polnischen Chores noch den Erlös von 300 Euro aus dem Verkauf von Getränken. Ein besonderer Dank gilt dem Leiter Rochus Salanczyk mit den Mitwirkenden: Jugendband der Polnischen Katholischen Mission, Neustädter Shanty Chor, Frauensingkreis Bremen, Bremer Männerchor 62 "Gutenberg" und der Deutsch-Polnische Chor Bremen. Erholung in den Sudeten Im letzten Sommer ist das Rehabilitations- und Erholungszentrum "Skowronek" in Bad Ziegenhals (Glucholazy) nach umfangreichen Renovierungen neu eröffnet worden. Das Zentrum liegt in der malerischen Gegend am östlichen Sudetenrand und wurde in einem ehemaligen Wasserheilsanatorium eingerichtet. Es bietet 45 Zimmer, die gemütlich, modern und sehr komfortabel eingerichtet sind. Sie können sowohl von Gruppen als auch von Einzelpersonen genutzt werden. Neben vielen anderen Angeboten steht ein reiches Angebot im Bereich der Gesundheitstherapie zur Verfügung. Der Caritas der Diözese Oppeln in Schlesien, dem Südwesten von Polen, ist es ein Anliegen, den Bekanntheitsgrad dieses Hauses zu erweitern und möglichst viele Gäste empfangen zu können, denen eine besonders aufmerksame Betreuung zugesagt wird. Auskünfte bekommt man unter der Telefonnummer 0048/77-4531-241 oder unter der E-mail caros@op.onet.pl. Homepage http://www.republika.pl/glucholazy_caritas/ Unsere beiden Stipendiaten Seit Anfang August sind wieder zwei junge Menschen aus Polen in Bremen, um hier in den Semesterferien ihre Deutschkenntnisse zu erweitern, auch um deutsches Leben und Brauchtum kennen zu lernen. Sie werden von unserem Vorstandsmitglied Wolfgang Reichel betreut. Die Kosten des etwa fünfwöchigen Aufenthalts werden von unserer Gesellschaft getragen. Treffen der Danzig-Fahrer "Haben Sie nochmals ganz herzlichen Dank für diese gut organisierte Danzigreise. Für mich als Danzig-Fan war es wieder einmal sehr schön gewesen, diese Stadt, die Menschen und die Umgebung zu sehen. Ich freue mich schon auf unser Treffen." So schreibt uns ein begeisterter Teilnehmer. Und das Treffen wird stattfinden Donnerstag, 30. Oktober 2003, 19 Uhr im Hotel Robben, "Grollander Krug", Oldenburger Straße. Das Haus ist günstig mit der Straßenbahn (Linien 1 und 8, Haltestelle Norderländer Straße) zu erreichen, ebenso sind genügend Parkplätze vorhanden. Es ergehen noch gesonderte Einladungen. Oskar in Bronze "Auf den Spuren von Günter Grass" wandelten die Bremer - zu Besuch in Danzig, wieder einmal. Unter kundiger Führung wurden die Stätten aufgesucht, die in den Romanen eine Rolle spielen - ein literarischer Spaziergang. Wie groß war aber die Überraschung, als man in Wrzeszcz auf einem schön hergerichteten Platz auf Oskar traf. Er saß auf einer Bank und trommelte. Es war nicht weit weg von seinem Elternhaus. Oskar Matzerath in Bronze: Danzig hat nun endlich sein Denkmal zur Erinnerung an Günter Grass! Wie war es dazu gekommen? ![]() Groß war die Freude der Danziger, damals, vor vier Jahren, als der große Sohn der Stadt den Nobelpreis für Literatur bekam. Eben wegen der "Blechtrommel", die in ihrer Stadt spielt. Und weil Grass vor 76 Jahren in dieser Stadt geboren wurde, in der die Handlungen vieler seiner Romane angesiedelt sind. Und flugs wollte man ihm ein Denkmal setzen, in Bronze sollte er irgendwo stehen. Zum Ehrenbürger hatte man ihn schon gemacht. Doch Grass wehrte heftig ab. "Denkmäler bekamen zu ihren Lebzeiten nur Pharaonen und Diktatoren", erklärte er. Und dabei blieb es. Doch nicht lange. Der rührige Bürgermeister Adamowicz begriff sogleich, daß das ursprüngliche Denkmalsprojekt nicht realisiert werden dürfe. Jedenfalls nicht zu Lebzeiten des Meisters. Also wurde es auf Oskar mit der Blechtrommel reduziert. Und der sitzt jetzt auf dem Wybickiego-Platz in Danzig-Langfuhr und freut sich über die Streicheleinheiten von Annemarie Wiechmann, die zu Besuch in ihrer alten Heimat war. Eine Reise nicht nur "Auf den Spuren von Günter Grass" Danzig ist eine schöne alte Stadt. Danzig ist unsere Partnerstadt. Danzig ist ein Ort deutsch-polnischer Geschichte. Die Stadt an der Mottlau ist für manchen ein Stück Heimat und voller Erinnerungen. Sie ist auch die Geburtsstadt von Günter Grass, und hier lebten und litten seine Romangestalten. Danzig, Danzig, Danzig... Es gibt viele Gründe, diese Stadt und unser Nachbarland Polen zu besuchen. Es lohnt sich immer. Und so machten sich 44 Bremer auf die Reise. Reinhold Stiering, Initiator und Leiter, hatte das Motto "Auf den Spuren von Günter Grass" gewählt. Fast auf den Tag genau zwei Jahre nach der ersten Bürgerreise startete der Bus. Die Hinfahrt verlief abseits der ausgetretenen Pfade durch eine wunderschöne, leicht hügelige Landschaft, die Pommersche Seenplatte. Nach der Zwischenübernachtung in Bad Polzin, dessen zerbrechliche alte Schönheit man noch erahnen konnte, wurde das Ziel Danzig über Bytow mit der Fahrt durch die herrliche Kaschubische Schweiz erreicht. Das "Dom Tancerza" in Langfuhr gewährte uns eine angenehme, zentrale Unterkunft, von der aus alle Exkursionen gut zu unternehmen waren. Herzlich empfangen wurde die Gruppe von den Freunden der "Towarcystwo Polska-Niemcy". Und der erste Abend gehörte der Danziger Altstadt - bezaubernd wie immer. Der Slowinsky-Nationalpark war Ziel am nächsten Morgen. Es regnete und stürmte. Doch in Leba schien die Sonne, die Ostsee zeigte sich von ihrer guten Seite. Die Wanderdünen allerdings empfingen uns mit langen Sandfahnen. Die wetterfesten Bremer jedoch stiefelten über die weite Dünenlandschaft und ein atemberaubender Anblick auf das Meer entschädigte für die "Sandstrahlbehandlung". Elektrokarren und Pferdekutschen waren willkommene, umweltfreundliche Transportmittel zum grandios auf der Steilküste gelegenen Hotel "Neptun", das in stilvoller Umgebung ein hervorragendes Mittagessen bot. Ein Tag zur freien Gestaltung war natürlich eingeplant, der ganz individuell genutzt wurde. Dabei waren unsere Freunde der Danziger Partnergesellschaft in großem Maße behilflich, wenn es zum Beispiel darum ging, Stätten der persönlichen Vergangenheit aufzusuchen. Auch am nächsten Tag waren viele von ihnen dabei, bei der Schiffsfahrt auf dem Oberländischen Kanal von Buczyniec nach Elbing. Verständigungsschwierigkeiten, sofern es sie gab, wurden durch Mimik, Gestik und Lachen überbrückt. Bei herrlichem Sonnenschein glitten wir über die Rollberge durch eine wohltuend unberührte Landschaft. Leider war keine Zeit für einen Stadtbummel durch Elbing, hatte man doch fast die Hälfte der Länge von 195 Km von Ostroda zur Ostsee zurück gelegt. Während der Fahrt informierte uns sehr ausführlich und kenntnisreich Dr. Makowski über Bau, Geschichte, Technik und wirtschaftliche Bedeutung dieser über 100 Jahre alten Wasserstraße. ![]() Wir erfuhren vor kurzem, daß Dr. Makowski leider plötzlich verstorben ist. Ein weiterer Höhepunkt: Das Danzig der Romanhelden von Günter Grass wollten wir erkunden, und es wurde für viele ein Tag des Kennenlernens, des Entdeckens oder auch nur des Wieder-Erkennens! Welch eine Vielzahl von Orten und Plätzen sahen wir auf diesem literarischen Spaziergang, der uns natürlich auch zum Geburtshaus von Grass führte, in den Labesweg. Welch eine Fülle von Ereignissen erstand vor unseren Augen, die Gestalten aus den Grass`schen Erzählungen wurden lebendig und begleiteten uns - Oskar, Tulla und Mahlke und all` die vielen anderen, vornehmlich aus der Danziger Trilogie. Hervorragende Leiterin dieses Spaziergangs war Mira Gasiorowska, assistiert von Maria Piotrowicz und Inga Slaska. An den einzelnen Orten wurden die entsprechenden Stellen aus den Werken zitiert. Vorbei am Constantinum und der Maiwiese, wo Oskar trommelte, zum Friedhof in Saspe, der letzten Ruhestätte erschossener polnischer Postler und ermordeter Häftlinge des KZ Stutthof. Weiter nach Brösen, dem ehemaligen Bad der Danziger Arbeiter., wo uns der Fisch so gut mundete. Die polnische Post mit Jan Bronski war Abschluß eines inhaltsreichen Tages, zu kurz, um alles erfassen zu können, sicherlich aber lang genug, um vieles besser zu verstehen und neugierig auf Neues zu werden. Die Rückfahrt bot während einer Übernachtung in Stettin Gelegenheit, diese Stadt auf einem Spaziergang zu "erschnuppern", ehe das heimatliche Bremen wieder erreicht wurde. Der Dank gilt allen, vor allem unseren Danziger Partnern, die halfen, die Reise zu einem Erlebnis werden zu lassen. Die Verbundenheit und Harmonie in der Reisegruppe war glückhaft. Zum Schluß gab es für Reinhold Stiering als dem Verantwortlichen noch ein Geschenk in Form von vielen Euros für "seine polnischen Kinder", wie die Überbringerin scherzhaft meinte. Und da kam es auch an! Verantwortlich: Reinhold Stiering, Brokmerländer Str. 12 - 28259 Bremen - Tel. 51 36 61 - Fax 51 43 663 |
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