Deutsch-Polnische Gesellschaft Bremen e. V.
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Rundschreiben Nr. 4 - Dezember 2003
"Ich empfinde es als großes Glück, dass wir Deutschen heute in einem friedlichen Europa leben, umgeben von Freunden. Nie waren die Beziehungen zwischen Deutschen und Polen so eng und so freundschaftlich wie heute. Diese Freundschaft ist nicht einfach durch Verträge und Abkommen gewachsen. Sie lebte und sie lebt vom Versöhnungswillen und vom Engagement der Menschen in beiden Ländern. Wir müssen uns das gelegentlich in Erinnerung rufen - auch und gerade, wenn unsere Beziehungen heute so normal erscheinen und mancher glaubt, wir könnten uns im Gespräch miteinander nun auch einmal schrillere Töne leisten. Die Versöhnung ist eine dauerhafte Aufgabe, die nie abgeschlossen ist und um die wir uns ständig wieder bemühen müssen. Die Menschen, die sich wirklich für die deutsch-polnische Freundschaft eingesetzt haben, wussten das."
Sehr geehrte Mitglieder der Deutsch-Polnischen Gesellschaft, wir sind Studenten aus Polen. Wir heißen Anna Chojnowska und Piotr Pawlaczyk. Anna studiert Touristik und Rekreation an der Akademie für Körpererziehung und Sport in Danzig. Piotr studiert Medizin an der Medizinische Akademie. Wir wurden als Stipendiaten von der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Bremen eingeladen, um an dem Internationalen Ferienkurs der Hochschule Bremen teilzunehmen.
Zum ersten Mal Hilfe für Kinder Wir haben die Möglichkeiten der Unterstützung für Kinder in Not über Danzig hinaus ausweiten können. Der Schatzmeister unserer Gesellschaft, "Pan Zygmunt Loppe", hat Kontakt zu der Gemeinde seiner Heimat im äußersten Nordosten Polens, in der Woj. Suwalki. Dort konnten wir durch die Vermittlung des Pfarrers hörgeschädigten Kindern bei der Beschaffung von Hörgeräten behilflich sein. Eltern, Pfarrer und der Verband hörgeschädigter Kinder schrieben uns: "Wir danken Ihnen sehr herzlich für Ihre finanzielle Hilfe bei der Anschaffung von Hörgeräten für unsere Kinder. Wir sind sehr dankbar und gerührt, weil es das erste Mal in der Geschichte unseres Zentrums war, daß uns eine solche finanzielle Hilfe zuteil wurde. Wir hoffen, daß Sie auch in Zukunft an uns denken werden."
Z przyjemnoscia - mit Vergnügen! Mit Musik und Gesang, Literatur und der Jugendband der Katholisch-Polnischen Mission wurde das Deutsch-Polnische Fest im Janusz-Korczak-Haus gefeiert. Es war sehr erfrischend, mit welcher Hingabe und Selbstverständlichkeit, mit welcher Herzlichkeit und Wärme musiziert, rezitiert und applaudiert wurde. Schon lange wurde nicht mehr so viel erzählt, sich umarmt, genußvoll miteinander geplaudert und zusammen gelacht, so daß auch etwas distanziertere "coole" Norddeutsche oder deutsche und polnische Gäste, die sonst auf political correctness achten, offen, neugierig und freundschaftlich miteinander Pläne schmiedeten oder sich von den slawischen Klängen mitreißen ließen. Ob mit dem neuen Vizekonsul des Generalkonsulats der Republik Polen Jerzy Kaczmarek über Kultur, ob mit Mitgliedern anderer deutsch-polnischer Gesellschaften aus Soltau, Verden oder Achim über Erfahrungen in Polen oder Erlebnisse der Polen mit Deutschen - Freundschaft und Verständigung waren nicht nur hehre Worte: Do widzenia, do rychlego zobaczenia: Auf Wiedersehen, bis bald! Dziekuje bardzo: vielen Dank! an die Jugendband der Katholisch-Polnischen Mission, Dziekuje, wzajemnie: Danke, gleichfalls an alle, die zum Gelingen des Abends beigetragen hatten. ![]() Die Geschichte von einem Auto und anderem Pawel Huelle, Schriftsteller aus Danzig, las aus seinem gerade erschienenen Buch "Mercedes Benz - aus den Briefen an Hrabal", in polnischer und deutscher Sprache: hinreißend, komisch, traurig und klug. Er las und erzählte von der Liebe, der Geschichte und Gegenwart, der Familie und darüber, welche Rolle Autos, speziell der Mercedes des Großvaters, darin spielen, und eine Hommage an Bohumil Hrabal, den großen tschechischen Schriftsteller. Die Frankfurter Allgemeine schreibt: "Pawel Huelles Prosa besticht durch ihre liebevolle Milieu- und Charakterzeichnung, eine Art Milchglasoptik, die sogar der düsteren Wirklichkeit etwas Balladenhaftes verleiht." Auf Deutsch sind von Huelle die Erzählungen "Schnecken, Pfützen, Regen", die Feuilletons "Verschollene Kapitel" und "Silberregen, Danziger Erzählungen" erschienen. Santa Claus in Danzig Nikolaus war der Schutzheilige der Schiffer, der Kinder und der unschuldig Bedrängten, der Kaufleute und der Bäcker. Und auch in Gdansk kennt man ihn, allerdings unter dem Namen Santa Claus. Und auch dort stellen die Kinder am 6. Dezember einen Schuh unter das Bett oder vor die Haustür und hoffen auf süße Gaben am anderen Morgen. Nicht so, und das erfuhren wir bei unserem letzten Besuch, in den von uns betreuten Kinderheimen. So stellten wir die Mittel zur Verfügung, mit denen unsere Freunde der Polnisch-Deutschen Gesellschaft Danzig am Nikolaustag "unsere" Heime besuchten und jedem Kind eine von ihnen hübsch gepackte Gabe überreichen konnten. Die Freude war groß. Das Nikolauslaufen, wie in Bremen fast überall in Nordwestdeutschland bis auf den heutigen Tag unvermindert beliebt bei den Kindern, kennt man übrigens in Danzig nicht.
"Zentrum gegen Vertreibungen"? Über die Vertreibung der Deutschen und Polen nach 1945, hervorgerufen durch ein mögliches "Zentrum gegen Vertreibungen", wird seit Monaten erbittert in Deutschland und Polen diskutiert und großer Schaden angerichtet in den deutsch-polnischen Beziehungen. "Wunde Punkte", Verdrängungen, traumatische Erfahrungen von Flucht und Vertreibungen auf beiden Seiten kommen an die Oberfläche und werden populistisch in den Medien genutzt.
Wir wünschen Ihnen allen |
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