Rundschreiben Nr. 3 - Dezember 2004
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mitglieder und Freunde!
Wir geben deshalb den Mahnruf in der überregionalen Zeitung „DIE ZEIT“ – 4.11.2004 – Tribüne:
Rita Süssmuth, CDU, und Angelica Schwall-Düren, SPD, zur Kenntnis
In großer Sorge
„Wir sind besorgt. Die deutsch-polnischen Beziehungen galten lange als europäisches Erfolgsmodell. Umso irritierender ist es, daß heute dunkle Schatten sie trüben. Neben den Auseinandersetzungen um den Irak und die EU-Verfassung ist dafür, wie so oft, unsere schmerzhafte gemeinsame Vergangenheit verantwortlich. In Polen heißt es, wir Deutschen seien gleichgültig gegenüber Ängsten, die das geplante Zentrum gegen Vertreibungen oder die Preußische Treuhang bei unseren Nachbarn auslösen. Hierzulande ist man bestürzt über die Sejm-Resolution zu Reparationsforderungen am Deutschland. In unserer Partnerschaft hat sich eine gewisse Ratlosigkeit eingestellt. Hat sich etwa die früher viel beschworene Interessengemeinschaft mit der EU-Erweiterung erschöpft? Folgt jetzt die „Konfliktgemeinschaft“?
Die deutsch-polnischen Beziehungen sind zu wichtig, als daß wir uns das leisten könnten! Wegen der ökonomischen Asymmetrie zwischen unsere Ländern, wegen der unterschiedlichen politischen Erfahrungen und den Traumata der Vergangenheit werden auch künftig viele europäische Krisen gleichzeitig deutsch-polnische Konflikte sein. Beide Länder haben das Potential, sich gegenseitig –
und damit die EU – zu blockieren. Aber umgekehrt gilt auch: wenn Polen und Deutschland sich einig werden, kann dies zum beiderseitigen Nutzen die „halbe Miete“ für einen europäischen Kompromiß sein. Wir brauchen daher eine strategische Partnerschaft zwischen Deutschland und Polen! Auch in kontroversen Fragen müssen wir – ähnlich wie Deutschland und Frankreich – zu dieser Partnerschaft stehen und einvernehmliche Lösungen suchen. Durch die bereits weit entwickelte Zusammenarbeit der Ziivilgesellschaften bestehen dafür gute Grundlagen. Aber wir müssen uns um eine solche Partnerschaft immer wieder aufs Neue bemühen und gegebenenfalls auch innenpolitischen Widerstände überwinden. Und diese Partnerschaft muß durch gemeinsame Projekte gefestigt werden.
Wir brauchen dafür tragfähige Strukturen und einen Meinungsaustausch auf „kurzem Weg“. Bereits seit Jahren gibt es die deutsch-polnischen Regierungskonsultationen. Kürzlich haben sich beide Parlamentspräsidien zum Austausch getroffen. Regelmäßige gemeinsame Sitzungen von Parlamentsausschüssen sind wünschenswert. Auch in den Gesellschaften muß das Bewußtsein um die Bedeutung der Partnerschaft stärker verankert werden. Nur so kann der Populismus, der sich in Polen auch auf Deutschland erstreckt, geschwächt werden. Und umgekehrt würde die deutsche Debatte wohl anders verlaufen, wenn bei und das Wissen um die historischen Erfahrungen der Polen grö0er und der Wille, darauf Rücksicht zu nehmen, weiter verbreitet wäre“.
Koordinatorinnen für deutsch-polnische und polnisch-deutsche Zusammen- arbeit im Nov. 04 ernannt
Vielleicht ist es ja kein Zufall, dass die Männer in Berlin und Warschau – Bundeskanzler Schröder und Ministerpräsident Belka – darauf gekommen sind, zwei Frauen zu Koordinatoren der deutsch- polnisch
en Beziehungen zu berufen.
Gesine Schwan, Präsidentin der Europa Universität Viadrina in Frankfurt/Oder, Politikwissen –schaftlerin , ist eine Persönlichkeit , die für ihre Überzeugungen eintritt. Wenn sie etwas für richtig hält, schreitet sie voran: mutig, entschlossen, unerschrocken und – Zitat von Bundeskanzler Schröder an - lässlich der Verleihung des Marion Dönhoff-Preises 2004 für internationale Verständigung und Versöhnung der ZEIT- Stiftung an Prof. Gesine Schwan am 28. November 2004: „ keineswegs immer gemäß den Lehrbüchern der feinen Diplomatie“.
Auch Gesine Schwan ist eine Brückenbauerin, die das direkte Gespräch dem bloßen Theoretisieren vorzieht. Das hat sie schon in den 70er und 80er Jahren so gemacht, als sie beharrlich und ent -
schieden auf die Zukunft der polnischen Opposition setzte. Im Streit darüber, ob die Dissidenten im Osten – vor allem in Polen – mit ihren Freiheitsforderungen den Frieden gefährdeten, bezog sie Position. Auf Demokratie, Pluralität, Freiheit zu beharren konnte nicht falsch sein, und der polnischen Tradition entsprach es schon gar nicht. Man soll ruhig mit den Regierenden reden, mit den Solidarnosc Streitern Adam Michnik oder Bronislaw Geremek aber auch! Die SPD brach mit ihr, damals
Als Koordinatorin für die deutsch-polnischen Beziehungen werde sie keinem Thema ausweichen, auch nicht der strittigen Entschädigungsfrage, sagte Schwan. Allerdings hat sie noch kein fertiges Programm. Zuerst einmal will Gesine Schwan Gespräche mit ihrer polnischen Amtskollegin Irena Lipowicz ( sie war übrigens schon einmal in Bremen als Gastreferentin) führen. Außerdem will sie sich einen Überblick über die unzähligen privaten Initiativen verschaffen, die sich um bessere Kontakte zwischen beiden Ländern bemühen. Im Schwerpunkt geht es dabei um den kulturellen Austausch und die zivilgesellschaftlichen Kontakte, vor allen Dingen natürlich zwischen den jungen Deutschen und jungen Polen.
Darüber spricht man in ... Polen
Polen will ein neues Image. Ein neues Logo für Polen. Mit was verbindet man Polen? Der Solidarnosc- Schriftzug als Ausgangspunkt.
Ein Drachen über dem Schriftzug „Polska“ – mit diesem Logo will Polen für ein neues Image werben.
Die Idee für ein nationales Logo keimte seit langem im polnischen Außenministerium, doch erst im Herbst 2001 schrieb die Abteilung für Promotion im Außenministerium einen Wettbewerb aus. Für die Werbegrafiker war es äußerst schwer, Polen nicht nur zu versinnbildlichen, sondern diesem Bild auch noch einen positiven Touch zu geben. Mit was verbindet man Polen?
Die Mitarbeiter einer Warschauer Agentur fragten in allen ausländischen Filialen nach. Die Antworten erfüllten alle schlimmsten Erwartungen. Egal, ob in London, Berlin oder Mailand, alle verbanden mit Polen: „Schnee und Tristesse“, den „Zweiten Weltkrieg“ oder das „Kriegsrecht und Streiks“. So kam man nicht weiter. Die Agentur fragte weiter nach. So wurden ausländische Manager, Journalisten und Künstler landesweit befragt, wie sie Polen im Alltag erleben. Und man atmete in der Agentur auf. Die meisten Befragten beschrieben Polen als ein „Land mit jungen, dynamischen, weltoffenen Menschen“. Nun brauchte man nur noch ein Symbol, das diese Botschaft verkörpern und vermitteln konnte. Nach längerer Suche kamen die Mitarbeiter der Warschauer Agentur auf den Schriftzug der Gewerkschaft „Solidarnosc“. 2005 wird das neue Logo das Polnische Jahr in Deutschland promoten.
Polnische Erzeugnisse erobern Europa
Die Europäer haben ihre Liebe für polnische Produkte entdeckt und die Vertreter der ausländischen Lebensmittelketten wittern gute Geschäfte. Sie setzen sich deswegen für die Vergrößerung des polnischen Exportes ein. Der deutsche Konzern „Metro Group“ in Kooperation mit dem polnischen
Ministerium für Landwirtschaft versucht gerade, eine Arbeitsgruppe zu bilden, die einen Plan für ein spezielles Promotionsprogramm für polnische Produkte im Westen erarbeiten soll. Für das kommende Jahr ist eine „Polnische Woche“ in den Supermärkten der Handelskette „Metro“ geplant.
Polnische Lehrer in Deutschland sehr begehrt
„Eure Lehrer sind sehr gut und wir wollen sie“, meint Ute Peters-Pastor, die Vorsitzende eines Verbandes, der in der Nähe von Berlin ein Bildungszentrum betreibt. Sie sagte ferner, dass nicht nur ihr Bildungszentrum Ausschau nach Lehrern in Polen halte. In ihrem Bildungszentrum besteht Bedarf an Lehrern für Englisch, Mathematik, Physik und Chemie. Die Lehrer müssen natürlich auch die Unterrichtssprache beherrschen.
Es ist nicht einfach, in Deutschland einen guten Lehrer zu finden. Wir haben uns für polnische Lehrer entschieden, weil sie sehr gut sind, und zwar besonders in den naturwissenschaftlichen Fächern, sagt die Schuldirektorin und fügt hinzu: „Es gibt zwar immer noch Hindernisse, polnische Lehrer voll zu beschäftigen, aber es gibt überhaupt keine Schwierigkeiten, wenn ein Lehrer sich als selbständiger Wissenschaftler anmeldet und für die Sozialversicherung in Deutschland selbst aufkommt“, so die Direktorin.
Veranstaltungsvorschau 2005
Prof. Dr. Wolfgang Schlott stellt am Donnerstag, den 13. Januar 2005, 20:00 Uhr, im Janusz-Korczak-Haus, Osterdeich 6, sein Buch „Polnische Prosa nach 1990. Nostalgische Rückblicke und Suche nach neuen Identifikationen“ (Lit Verlag Münster/Ws.2004) gemeinsam mit Auszügen aus der neuesten Erzählliteratur unseres Nachbarlandes vor.
Eine Veranstaltung der DPG in Verbindung mit der Forschungsstelle osteuropa, dem Studiengang Kulturgeschichte der Universität Bremen, der Osteuropahilfe e.V. und Art + Facts.
Vortrag Prof. Dr. Wolfgang Schlott am Donnerstag, 17. Februar 2005, 20:00 Uhr im Janusz-Korzak-Haus zu dem Thema: „Mickiewicz, Milosz, Abakanowicz, Kantor, Wajda, Szymborska...
Polnische Trümpfe in einer zukünftigen europäischen Kulturlandschaft oder doch nur Schall und Rauch?“
Sind die polnischen Kulturinstitutionen auf ihren Gang nach Europa und ihre Präsenz in Europa vorbereitet? Besitzen die polnischen Bürger/innen genügend Selbstbewusstsein, um ihre Nation in einer europäischen Kulturlandschaft würdig zu vertreten? Was verbinden vor allem unsere Bürger mit dem Begriff ‚polnische Kulturnation’ und bedeutenden Repräsentanten der polnischen Kultur? Was aber repräsentieren polnische kulturwerte in einer entstehenden europäischen Kulturnation, in der immer mehr globale Werte dominieren?
Mit diesen Fragen setzt sich Wolfgang Schlott, Professor für slavische Kultur- und Literaturgeschichte an der Universität Bremen, in Verbindung mit einigen Lichtbildern auseinander.
Eine Veranstaltung der DPG in Verbindung mit der Forschungsstelle Osteuropa, dem Studiengang Kulturgeschichte der Universität Bremen, der Bremer Osteuropahilfe e.V. und Art + Facts.
Verantwortlich: Reinhold Stiering, Brokmerländer Str. 12 - 28259 Bremen - Tel. 51 36 61 - Fax 51 43 663
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